FeedLebenskraft
NaturlehreBrockhaus 1882

Lebenskraft (Vis vitalis). Der Ausdruck Kraft bezeichnet in der Physik zunächst die Ursache, welche man zur Erklärung einer Erscheinung annimmt, dann aber auch das Maß einer Leistung (z. B. Pferdekraft u. dgl.), und in diesem Sinne ist der Ausdruck L. in der Physiologie zulässig. Früher meinte man, die Fähigkeit lebender Organismen, zu bestehen und thätig zu sein, nicht aus ihrer physik. und chem. Beschaffenheit erklären zu können, sondern suchte den Grund dieser Eigentümlichkeit in besondern, den Organismen eigenen, vererbbaren Fähigkeiten, deren Summe man als L. bezeichnete. Die neuere Physiologie hat indes diesen unbestimmten Begriff vollständig aufgegeben, seitdem sie in den Lebensvorgängen (Verdauung, Atmung, Blutbewegung) das Walten derselben physik. und chem. Grundgesetze erkannt hat, welche auch in der unorganischen Natur sich kundgeben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 873Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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