Leboeuf (Edmond), franz. Marschall, geb. 6. Dez. 1809 zu Paris, gehörte während der ersten Expedition gegen Konstantine dem Generalstabe der Armee an, kehrte 1841 als Batteriekommandeur nach Frank⸗ „ zurück, wurde 1848 zweiter Kommandant der Polytechnischen Schule, 1850 zum Oberstlieutenant und 1852 zum Obersten befördert. Nach Ausbruch des Orienttriegs 1854 zum Stabs ef der Artillerie in der Orientarmee ernannt, nahm er 20. Sept. ervorragenden Anteil an der Schlacht an der Alma. Nov. 1855 wurde er Brigadegeneral und übernahm die Leitung des franz. Artillerieangriffs gegen Sewastopol. Hierauf wurde er mit dem Oberbefehl in Kinburn betraut, woselbst er bis Jan. 1856 blieb. An die Spitze der Gardeartillerie berufen, vollendete er deren Organisation und erhielt 1857 den Rang als Divisionsgeneral. Im ital. Feldzuge 1859 zeichnete er sich gleichfalls wiederholt aus; seinem geschickten Artillerieangriff auf Solferino ist hauptsächlich die Einnahme dieses Platzes zuzuschreiben. Im Jan. 1869 wurde L. als Kommandeur des 6. Armeekorps nach Toulouse gesandt und 21. Aug. 1869 an Stelle des verstorbenen Marschalls Niel zum Kriegsminister ernannt. In dieser Stellung fiel ihm die schwierige Aufgabe zu, die von seinem Vorgänger begonnene Reorganisation des franz. Heerwesens zu vollenden. L. beschränkte sich zunächst auf die Umformung der Infanterieregimenter und einige Verbesserungen in der Verwaltung. Die von Niel eingeleitete Organisation der Mobilgarde, durch welche eine vom stehenden Heer unabhängige Reservearmee geschaffen werden sollte, wurde von L. 1 weiter entwickelt, was sich nach den ersten Unfällen des franz. Heers 1870 sehr nachteilig erwiesen hat. Am 27. Dez. 1869 reichte er mit dem gesamten Ministerium seine Entlassung ein, um dem neuen, unter Ollivier gebildeten sog. parlamentarischen Kabinett Platz zu machen, doch wurde ihm sein Portefeuille belassen. L. wurde 24. März 1870 zum Marschall ernannt. In den geheimen, unmittelbar vor dem Ausbruch des Kriegs von 1870 unter Vorsitz des Kaisers gehaltenen Ministerconseils sowie im Corps législatit bezeichnete L. die franz. Armee als völlig kriegsbereit, Karchipréto, was, soweit es sich um das Vorhandensein der erforderlichen Mannschaften, Waffen, Ausrüstungsstuücke und Munitions⸗ u. s. w. Vorräte handelt, nicht unrichtig war. Die fehlerhafte Organisation der ganzen Verwaltung verhinderte jedoch, die reichlich vorhandenen Mittel rechtzeitig und planmäßig zur Verwendung zu bringen. Bei Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs von Conversations-Lexikon. 13. Aufl. X. 1870 und 1871 ernannte ihn der Kaiser NWed Generalstabschef der Armee. Nach den ersten iederlagen der franz. Heere bei Weißenburg, Wörth und Spichern forderte die Regentschaft zu Paris mit Umgehung des Kaisers L. zur Niederlegung seines Amtes auf. Er kam dieser Aufforderung nach und übernahm 12. Aug., nachdem der Oberbefehl der Rheinarmee an Marschall Bazaine übergegangen war, an dessen Stelle den Befehl über das 3. Armeekorps. Mit demselben nach den Kämpfen vom 14., 16. und 18. Aug. in die Festung Metz eingeschlossen, focht er 30. und 31. Aug. bei Noisseville mit Auszeichnung. Nach der Kapitulation von Metz geriet er 29. Okt. 1870 in deutsche Kriegsgefangenschaft, aus der ihn der Friedensschluß von 1871 befreite. Hierauf zog er sich nach dem Haag ins Privatleben zurück. L. war weder ein großer Organisator noch Stratege, hat sich aber als thatkräftiger Korpsgeneral und tapferer Soldat bewährt.