FeedLedochowski (Mieczyslaw, Graf)
ReligionBrockhaus 1882

Ledochowski (Mieczyslaw, Graf), Kardinal, Erzbischof von Posen und Gnesen, geb. 29. Okt. 1822 in Gorki bei Sandomir aus einem alten poln. Adelsgeschlecht, wurde in dem Lazaristenkollegium zu Warschau erzogen, trat bereits im Alter von 18 J. in den geistlichen Stand und begab sich nach Rom, wo er in das Collegium nobilium der Jesuiten eintrat und 1845 die Priesterweihe erhielt. Pius IX. ernannte ihn zu seinem Hausprälaten und zum apostolischen Protonotar, worauf er ihn als Auditor nach Lissabon sandte. Von dort ging L. als päpstl. Delegat für fünf südamerik. Republiken 1856 nach Bogotä. Durch den Präsidenten von Columbia, General Mosquera, genötigt, das Land zu verlassen, kehrte er 1861 nach Rom zurück, wo er zum Erzbischof von Theben in partibus und bald darauf zum Nuntius in Brüssel ernannt wurde. Ende 1865 wurde er von den Domkapiteln von Posen und Gnesen zum Erzbischof gewählt und legte im April 1866 in Berlin den Huldigungseid vor dem König ab. Nach Antritt seines Amts trat L. zunächst den durch die Geistlichkeit geschürten poln. Bestrebungen entgegen, verbot den Geistlichen, sich an den polit. Wahlbewegungen zu beteiligen, und beschränkte den Gebrauch der poln. Sprache bei kirchlichen Handlungen. Zugleich aber begann er eine Reorganisation des kirchlichen Lebens, indem er mit Eifer das Klosterwesen und die Jesuitenmissionen förderte. Nach seiner Rückkehr vom Vatikanischen Konzil, wo er stets mit der Majorität stimmte, begab er sich im Nov. 1870 nach Versailles, um bei dem König Wilhelm Beihilfe zur Wiederherstellung der weltlichen Macht des Papstes zu erlangen. Als dies Verlangen abgewiesen wurde, schloß er sich der ultramontanen Opposition an und begünstigte das Streben der Polen nach nationaler Selbständigkeit. Der Papst ernannte ihn zum Primas von Polen. Gesetzwidrig stellte er Geistliche an und verweigerte den im Mai 1873 erlassenen Gesetzen den Gehorsam. Zu Geldstrafen verurteilt, ward ihm auch das Staatsgehalt entzogen. Nachdem ihn der Oberpräsident der Provinz Posen 24. Nov. 1873 vergeblich zur Niederlegung seines Amts aufgefordert, ward er zu zweijähriger Gefängnisstrafe verurteilt, 3. Febr. 1874 in Posen verhaftet und in das Kreisgerichtsgefängnis von Ostrowo gebracht. Am 15. April 1874 sprach der Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten seine Amtsentsetzung aus, doch suchte L. durch geheime Delegaten weiter zu fungieren“ Dagegen erhob ihn der Papst 15. März 1875 zum Kardinal. Aus dem Gefängnisse 1876 entlassen, ging er nach Rom, er auch unter Leo XIII. am eifrigsten gegen den Frieden mit Preußen arbeitet. Alle Bemühungen, ihn aus der unmittelbaren Nähe des Papstes zu entfernen und zur freiwilligen Niederlegung seines Amtes zu bewegen, waren bisher erfolglos.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 890Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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