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Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Legende heißt in der Münzkunde die Inschrift oder Umschrift der Münzen, vermittelst welcher dem Numismatiker der erste Anhalt gewährt wird, Münzen nach Heimatland und Zeit zu bestimmen. Denn sie bezeichnet den Münzherrn, den Titel desselben (bei Freistgaaten und Städten die Ortsangehörigkeit), den Schutzpatron und den Wahlspruch. Die ältesten griech. wie röm. Münzen haben entweder gar keine L. oder nur eine in wenigen, meist einzelnen Buchstaben bestehende. Aller L. entbehren namentlich die Münzen griech. Städte, welche bestimmte und bezeichnende Typen haben, wie z. B. die von Selinus mit dem Eppichblatt, die von Theben mit dem Schilde, die von Rhodus mit der Rose u. s. w., und es werden dieselben von den franz. Numismatikern médailles parlantes genannt. Die aus einzelnen Buchstaben bestehenden L. sind neist Abkürzungen von Städtenamen. Die ältesten vollständigen L. finden sich auf Münzen von Syrakus, Rhegium, Pästum und Messana. Die L. ist in der Regel auch noch gegenwärtig von der linken zur rechten Hand zu lesen. Die sog. scriptura retrograda, wo die L. von der rechten zur linken Hand gelesen werden muß, auf Münzen Großgriechenlands, Etruriens, Spaniens u. s. w., und das sog. Bustrophedon, wo die L. erst von der linken zur rechten, dann aber von der rechten zur linken Hand läuft, sind nur Ausnahmen. Bisweilen nehmen die L. die Hauptseite, bisweilen die Rückseite, oft auch beide Seiten ein, entweder als Umschrift, kreisförmig, oder in geraden Linien verschiedener Richtung, die, je nach der Länge der L., mehrere Zeilen bilden. Zuweilen schließen sie, ein Viereck bildend, die Typen ein, wie z. B. auf Münzen von Thasos und der Arsaciden. Oft auch stehen die L. beider Seiten im Zusammenhang. Vgl. Rentzmann, Numismatisches Legendenlexikon des Mittelalters und der Neuzeite (2 Bde., Berl. 1865— 66); Schlickeysen, «Erklärung der Abkürzungen auf Münzen⸗ (Berl. 1855).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 898Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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