FeedLena
ErdkundeBrockhaus 1882

Lena, der östlichste der drei großen Ströme Sibiriens, im Gouvernement Irkutsk und dem Gebiete Jakutsk, hat eine direkte Länge von 2550, eine Stromentwickelung von 4820 Em und ein Gebiet von 2043000 qkm. Die L. entspringt etwa 330 km im NO. von Irkutsk und 30 km vom nordwestl. Ufer des Baikalsees aus dem Gletscher Beresowija-Gori des Baikal⸗ oder Wercholenskschen Gebirges, fließt erst gegen SW., weiterhin gegen N. über Wercholensk nach Ust-Kutsk, wo sie schiffbar wird, dann gegen NO. bis Jakutsk (62 nördl. Br.). Hierauf wendet sie sich nordwärts und mündet in starrer Polarregion mit 19 Mündungen innerhalb eines breiten, bis zum 73. nördl. Br. in die Nordenskiöld-See (Teil des Nördlichen Eismeers) vorspringenden Deltalandes südwestlich gegenüber der Inselgruppe Neusibirien. Bei Jakutsk tritt sie in das Tiefland und nimmt eine sehr langsame, zum Teil seichte Strömung an. Wegen der zahllosen Menge von Inseln, namentlich zwischen Jakutsk und Schigansk, ist die L. außerordentlich breit, bei ersterm Ort 7—8, bei letzterm in gewöhnlicher Zeit nahezu 15 km bei 16 —22 m Tiefe. Weiter abwärts erscheint sie kleiner, bei Bulun nur 2/5 km breit und 10—16 metief, an der Mündung wieder bis 10 km breit, aber nur 5—8 m tief. Im obersten Lauf gefriert sie im Oktober, unterhalb Jakutsk schon in der zweiten Hälfte des September. Bei Katschuga wird sie Mitte April eisfrei, an der Mündung erst Ende Juni oder Mitte Juli oder, wenn der Wind darauf steht, auch gar nicht. Während des Eisgangs und Hochwassers wird die L. für ihre Ufergegenden verheerend. In dem obern, sehr raschen, aber doch bald fahrbaren Laufe wird der Strom auf weite Strecken von großartigen Felswänden und malerischen Felsbildungen eingeschlossen; weiter abwärts wechseln Bergzüge, groteske Felsmassen, Wiesengründe und Steppen miteinander. Von der Mündung des Aldan aber verflachen sich die Ufer völlig, und unterhalb Schigansk tritt die nie auftauende Tundra (s. d.) auf. An den Ufern des Stroms findet sich das Mammutelfenbein sehr häufig. Die L. ist reich an Fischen, welche für die den Strom umwohnenden Buräten und Jakuten die Hauptnahrung liefern. Von ihren 325 Nebenflüssen sind die wichtigsten rechts die Kirenga (500 kmlang), der Witim (2150 kKm), der Olekma (1120 km), der Aldan (s. d.); links der Wiljui (2140 km), an dessen Ufern namentlich zahlreiche Knochen vorweltlicher Tiere aufgeschichtet sind. Die Schiffahrt auf der L. wird größtenteils nur im walbafen und Herbst betrieben und hat ihren Centralhafen in Jakutsk. [Bacchus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 947Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 6

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6