Lenz (Jak. Michael Reinhold), genialer deutscher Dichter aus der Sturm- und Drangperiode, bekannt durch seine enge Verbindung mit Goethe, war der Sohn eines angesehenen Geistlichen in Livland und wurde zu Seßwegen 12. (23.) Jan. 1751 geboren. Nachdem er in Königsberg studiert hatte, ging er 1771 als Führer zweier junger Adeligen über Berlin nach Straßburg. Hier trat er sehr bald in den Kreis ein, dessen Hauptmitglieder der Aktuarius Salzmann, Goethe und Jung-Stilling waren. Nach Goethes Weggang von Straßburg hielt sich L. eine Zeit lang zu Fort-Louis auf, von wo aus er in ein leidenschaftliches Verhältnis zu Friederike Brion (Goethes Friederike) in Sessenheim trat, welches jedoch bald wieder gelöst wurde. Nach Straßburg zurückgekehrt, nahm er eifrig an einer von Salzmann 1775 gegründeten Gesellschaft zur Ausbildung der deutschen Sprache teil. Am weimarischen Hofe, wohin er sich im Frühjahr 1776 begab, konnte er trotz Goethes, Herders und Wielands freundschaftlichen Bemühungen bei seiner alle Schranken geselliger Formen überspringenden Ungebundenheit nicht ausdauern. Nach dem Elsaß zurückgekehrt, verfiel er aus Liebe zu einem Fräulein von Waldner in Wahnsinn. Im Jan. 1778 kam er im schrecklichsten Zustande zu dem Pfarrer Oberlin nach Waldbach. Da auch ein Aufenthalt bei Schlosser in Emmendingen keine Heilung brachte, wurde er 1779 von einem Bruder in die Heimat geholt. Im J. 1781 erhielt er eine Stellung als Privatsekretär beim General Bawr in Petersburg, 1782 als Lehrer an einer Pensionsanstalt in Moskau. Seit 1786 nahmen seine Geisteskräfte immer mehr ab und er starb in der Nacht vom 23. zum 24. Mai (4. zum 5. Juni) 1792 in der Nähe von Moskau. Seine «Gesammelten Schrifteno, zum großen Teil dramatische Werke, die alle einen bedeutenden, aber nicht zur Klarheit und Ordnung durchgedrungenen Geist verraten und zu den interessantesten Denkmälern der Sturm- und Drangperiode gehören, gab Tieck heraus (3 Bde., Berl. 1828). Diese Ausgabe ist jedoch nicht ganz vollständig und enthält andererseits vieles, was nicht von L. herrührt. Weinhold veröffentlichte:Dramatischer Nachlaß von L.» (Frankf. a. M. 1884). Vgl. Stöber, «Der Dichter L. und Friederike von Sessenheimo (Bas. 1842); Dorer-Egloff, «L. und seine Schriften» (Bad. 1857) Gruppe, «L. Leben und Werkey (Berl. 1861); Falck, „Der Dichter L. in Livlando (Winterthur 1878).