FeedHypatia aus Alexandria
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Hypatia aus Alexandria, die geistvolle Tochter des Mathematikers Theon, ebenso berühmt wegen ihrer Schönheit und Sittenreinheit wie wegen ihrer Gelehrsamkeit, widmete sich dem Studium der Mathematik und Philosophie und trat dann in ihrer Vaterstadt als Lehrerin auf. Sie verfaßte mehrere mathem. Schriften. Als Lehrerin der Philosophie beschäftigte sie sich in der Weise des Neuplatonismus, dem sie sich anschloß, insbesondere mit der Erklärung Platonischer und Aristotelischer Schriften. Sie genoß nicht bloß bei Heiden, sondern selbst bei zum Christentum übergetretenen Schülern die höchste Verehrung. Durch das hohe Ansehen, in welchem sie auch bei dem Präfekten von Agypten stand, geriet sie in den Verdacht, denselben zu den Maßregeln, welche er dem herrschsüchtigen Patriarchen Cyrillus (s. d.) gegenüber traf, bewogen zu haben, und wurde von einem fanatisierten Volkshaufen aus Anlaß der von Cyrill betriebenen Vertreibung der Juden, 415 n. Chr., auf die grausamste Weise ermordet. Vgl. Hahn, «Hypatiav (in Philologuso, Bd. 15, 1860). Das Schicksal der H. wurde von Kingsley (s. d.) in einem kulturhistor. Roman (deutsch, 3. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1882) behandelt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 504Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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