Kordofan (oder, nach derarabischen Form, Kordofäl), Land im östlichen Sudan, welches westlich vom Weissen Flusse (Bachr-el-Abyad), in einer Entfernung von 80—87 km südwestlich von Chartum, beginnt, bis 1833 einen Bestandteil der ägyptischen Besitzungen im Sudan bildete, aber 1885 durch den Aufstand des Mahdi losgerissen wurde. Kordofan liegt etwa zwischen 12 und 15V nördl. Br. und 360 30° — 29% 10° östl. L.; ist im Norden und Westen, nach Nubien und Darfur zu, von Sandsteppen umgeben, welche zum Teil auch das Land im Osten, nach dem Bachr-el-Abyad zu, bedecken: im Süden erstreckt sich ein von Baggaras und Schilluks bewohntes Waldgebiet. Diese Grenzen sind nicht völlig genau fixiert; sie werden nur durch dürre, das bewohnte Land einschliessende Teile umschlossen. Der Flächenraum von K. wird von Prout (welcher 1875 K. bereiste) auf 108000 qkm geschätzt, die Bevölkerung auf 280000 Seelen (— 2112 pro qkm). Kordofan stellt eine Reihe von bebauten Landflächen bald grössern, bald kleinern Umfanges dar, welche von unbebauten Flächen kleineren Umfanges durchsetzt sind. Der Boden ist im allgemeinen von sandiger Beschaffenheit, mehr flach als gebireig; indessen unterbrechen isolierte Hügel- oder Berggruppen bisweilen die Einförmiskeit der Fläche. Im Süden wird das Land völlig gebirgig. Nach den barometrischen Beobachtungen Russeggers liest das Plateau, auf welchem die Hauptstadt El-Obeid gebaut ist, beinahe im Mittelpunkte des Landes und in einer Höhe von etwa 200 m über Chartum, 655 m über dem Mittelmeere, von welchem die Stadt 2000 km (18 Grade) entfernt ist. Nach den jüngsten Beobachtungen (welche Prout 1877 angestellt hat) liegt das Flachland in einer Höhe von 490—580 m und senkt sich in den dem Nil zunächst liegenden Teilen bis auf 910 m herab. Nach Russeger ist der höchste Berg des eigentlichen Kordofan, mit Ausnahme des Djebel Katul, der „Djebel Kordofan“, welcher in geringer Entfernung von EI-Obeid zu 229m über das Niveau der Stadt aufsteigt, während die höchsten Gipfel von Dar-Nuba und Teggele, d. h. also der gebirgeigen Landstriche im Süden des Landes (der Djebel Scheibun, der Djebel Daier, Djebel Turban etc.) nur bis 100 und 300 m über das Niveau von EI-Obeid aufsteigen. Im Nordwesten des Landes dagegen steigt der Djebel Katul bis mindestens 844m empor. In geologischer Hinsicht lässt sich K. in zwei Gewiete scheiden: Der nubische Sandstein, welcher zu den tertiären Formationen gehört, ist der vorherrschende Fels von Dongolael-Urdu an bis zu den Brunnen von Es-Safı in Kordofan; seine Farbe variüert vom Braun bis zum Gelb, hat bisweilen sogar eine rötliche Färbung infolge der in ihm eingeschlossenen Eisenoxydmengen. Im Süden von Es-Safı bis nach El-Obeid, selbst noch weiter nach Süden und Westen, treten kristallinische Felsarten, Quarz, Gneiss, Hornblende, an Stelle des Sandsteins. Obwohl Kordofan an das Nilbecken stösst, hat es doch keinen eigentlichen Fluss, sondern „khor’s“ (in der Mehrzahl „kheran“ genannt), d. h. Wadi's oder temporäre Flüsse, gleich denjenigen der südlichen Sahara. Ihr Lauf ist von Osten nach dem Nil zu gerichtet. Unter ‘ihnen ist der bedeutendste der Khor Abu Habel (oder Khor Abu Hable), welcher vom Djehel Kulfang im Dar-Nuba herabkomnit. Zur Regenzeit bilden sich mehrere Wasserläufe, die aber bald vom dürren Boden aufgesaugt werden. Hier und und da trifft man Lachen, welche das Wasser das ganze Jahr hindurch halten, z. B. die Lache von Ketschmar oder Kagmar, an der nördlichen Grenze. In Ermangelung von permanenten Flüssen besitzen die. Bewohner des Landes während der trocknen Zeit nur zwei Mittel, sich Wasser zu verschaffen; sie müssen es entweder in Reservoiren sammeln oder Brunnen graben. Diese letzteren besitzen ‘in manchen Distrikten des nördlichen K. eine bedeutende Tiefe (bis 40 oder 50m), z.B. die Brunnen von Kagmar und Bara.° Die Arbeit der Viehtränke wird hierdurch begreiflicherweise sehr erschwert, was in einem Lande wie K., dessen Bevölkerung, besonders die Baggara, dem Hirtenstande angehört, sehr ins Gewicht fällt. Klima. Man unterscheidet in K. zwei Jahreszeiten: die trockne oder den Sommer, und die Regenzeit oder den Winter (von den Eingeborenen „kharif“ genannt); die Wassermenge, welche während derselben fällt, wird auf 30—40 em geschätzt. Der Sommer endist im Monat Mai; die Temperatur der Luft um diese Zeit variiert im Schatten zwischen 32 und 49°, es füllt kein Niederschlag, die Bäume verlieren ihr Laub. Kordofan scheint in einem gewissen Masse das Klima der Sahara zu besitzen; in der Menge der fallenden Regen wird hier thatsächlich eine grosse Verschiedenheit bemerkt. So war das Jahr 1867 ein fast vollständig dürres Jahr, und 1873 erlebten die Missionäre einen solchen Wassermangel gegen Ausgang des Sommers, dass ein Krug Wasser mit einem Maria - Theresia - Thaler aufgewogen wurde. Der Boden Kordofans ist im grossen und ganzen nichts weniger als unproduktiv. Er ist fast überall mit Gras, Bäumen und Strauchwerk bestanden. Wenn die Regenzeit kommt, erzählt ein Europäer, welcher Jange Jahre hier gelebt hat, gelangt die Vegetation plötzlich, , wie durch einen Zauberschlag, zur Entwickelung, und die Natur zeigt sich in ihrer ganzen Macht- und Schönheitsfülle, Balsamische, fast berauschend wirkende Gerüche erfüllen die Luft; man könnte meinen, in die Feengärten der arabischen Märchen versetzt zu sein (Pallme). Der engl. Oberst Colston (welcher mit Prout zusammen K. bereiste) entwirft ein nicht minder verlockendes Bild von den Oasen Kordofans: „Das von dem brennenden Sande ermüdete Auge ruht mit Wonne auf dem Smaragderün des einer grossen, sich schlangenartig entlang Windenden Prairie gleichenden Landes. Vier Monate lang ist diese Prairie ein See; den übrigen Teil des Jahres hindurch findet man das Wasser dicht an der Oberfläche des Erdbodens und schöpft es aus mehr als zweihundert Löchern, welche am Saume des mit Gras bedeckten Bodens entlang gegraben sind. Tagtäglich sieht man tausende von Kamelen aus den umliegenden Steppen zur Tränke heranziehen. Sobald ein paar hundert dieser Tiere abziehen, kommen sofort neue an ihre Stelle, und fortgesetzt hat man den Anblick von 4—-5000 Kamelen, die einen Raum von 20 bis 30 Joch überdecken. Grosse Ochsen-, Ziegen- und Hammelherden ziehen ebenfalls zur Tränke heran. Am Saume dieser Gras-Oasen steht ein Dutzend Dattel- und ebensoviele Dum-Palmen (Crucifera thebaica); ebenso einige Feigenbäume. Hier bauen die Bewohner (vom Stamme der Kababich) Dochn, Getreide, Baumwolle, Bamia. Tausende von Vögeln der verschiedensten Gattungen, unter denen der schwarze und weisseStorch vorherrscht, tragen zur Belebung des Landschaftsbildes vorteilhaft bei.* Ein anderer teisender, Dr. Cuny, welcher in seiner Eigenschaft als Arzt weniger Enthusiasmus zeigt, schildert K. als ein Land der Dschungeln, denen die Regenzeit eine rasche und kräftige Entwickelung gibt, das aber nur auf einer sehr geringen Fläche bebaut ist; was bei den fast durchaus den Hirtenvölkern angehörenden Bewohnern erklärlich ist. „Man säet in ‚der Regenzeit, aber nur auf einigen Stricben. Man stellt dort, seitdem die ägyptische Herrschaft Fuss gefasst hat, Schöpfvorrichtungen (scha- -duf, noria) auf, mittels deren der Anbau einiger Gemüsearten gelungen ist.“ Das Flachland, bemerkt Dr. Cuny, wird nur zur Regenzeit bewohnt; wird nur in gebirgigen Gegenden, wo Brunnen vorhanden sind, und in der Nähe der in kleiner Zahl über das Land verstreuten Wasserbehälter von den Herden der nomadischen Bewohner durchzogen. Kordofan liefert dem Naturforscher den Beweis, dass der Humus oder der vegetale Boden der Vegetation durchaus nicht unersetzlich ist und dass gewisse Pflanzen auch die zu ihrem ‚Wachstum nötigen Stoffe ebenso zu erlangen vermögen, wenn sie auf dem Sande wachsen, wie wenn sie auf dem fruchtbaren Boden stehen. Die beiden wichtigsten Produkte des Planzenreiches sind eine Art von Getreide, „Dochn* genannt (Penicetum typhoidum ‘und Penicillaria spicata)B und Gummibäume, In den letzten Tagen des Mai bereiten die Bewohner "die Erde für die ausser! ‚des Dochn. Diese Arbeit besteht indem Ausgraben der Wurzeln von Gräsern und stachelichten Pflanzen, welche seit der letzten Ernte gewachsen sind. Hierauf warten sie die ersten Regenfälle ab und graben dann mit einer Hacke von höchst primitiver Form Löcher in den Erdboden, in welche sie die Dochn-Körner legen, undmitder aufgegrabenen Erde wieder zudecken. Nach Verlauf von drei bis vier Monaten, bei Wiederkehr des guten Wetters, können sie die Ähren schneiden. Der Dochn gibt ihnen zugleich die eigene Nahrung und das Futter fürihr Vieh. Ausserdem erzeugt man in Kordofan Tabak, Sesam, etwas Baumwolle, verschiedene Kürbisarten und Gemüsesorten. Ein ausgezeichnetes arabisches Gummi wird in den Wäldern gewonnen und zwar in grossen Mengen. Dagegen muss Werkholz mit grossen Kosten aus Europa eingeführt werden (Dr. Pfund). Haustiere sind: Pferd, Kamel, Esel, Maulesel, Kuh, grosse Buckelochsen, Ziegen, Sudanschafe, Hund, Katze, und mehrere Sorten Geflügel. Das Rhinozeros, der Löwe, Leopard, Pantler, die Hyäne, Wildkatze, der Schakal, die Giraffe, verschiedene Antilopen und Affenarten etc. durchstreifen die Wälder, Strausse dıe Ebene, Die Industrie ist in K. sehr wenig entwickelt. Etwas Töpferei, Gerberei, eine primitive Art von Baumwollweberei, auch Eisenschmieden und Kohlensruben sind vorhanden. Das arabische Gummi, die Straussenfedern, Häute und Gold stehen unter den Tauschartikeln in erster Reihe. Dagegen sind die Elefanten jetzt verschwunden und das Elfenbein steht nicht mehr unter den Ausfuhrgegenständen. Die Goldgruben Dar-Nuba’s sind seit langem berühmt. Indessen fehlt es an der Ausbeutung. Die Schwarzen sammeln nur den Goldstaub, welcher von den Strömen angeschwemmt wird. Der Wert der Erzeugnisse, welche 1877 nach Kairo aus Kordufan gelangten, betrug annähernd 1!/, Millionen Mark für ei Straussenfedern, '/, Million Mark für f Felle. Die Bevölkerung von Kordofan ist äusserst gemischt. Sie setzt sich aus drei verschiedenen Klassen zusammen: 1) Neger (mit dem hier üblichen Namen „Nuba“ genannt); 2) aus dem abessinischen Hochland und aus dem,obern Nubien eingewanderte Stämme (im allgemeinen als „Athiopier“ bezeichnet, ein Name, welcher schon bei den alten Griechen im Brauche war); statt seiner ‘hat man in der Gegenwart häufig den Namen „Barabra® in Anwendung genommen; 3) Beduinen, ihrer Behauptung nach Abkömmlinge der Araber. Man könnte eine vierte Klasse: diejenige der Mischrasse hinzufügen, wenn nicht thatsächlich der grösste Teil der den obigen drei Kategorieen angehörigen Individuen deutliche Spuren einer Vermischung dieser verschiedenen Elemente in allen Stufen an sich trüge. l) Die reinen Nuba (die Araber sagen im Singular „Nebowi“) sind Neger in der eigentlichsten Bedeutung des Wortes, und Munzinger, „Ostafrikanische Studien“, bringt ihre Sprache mit derjenigen der Barabra Nubiens in Zusammenhang. Ihr eigentlicher Mittelpunkt liegt in einem gebirgigen Distrikt im südlichen Teile Kordofans (zwischen 11015’ und 12015‘ nördl. Br.), an den Grenzen des das linke Ufer des Bachr-el-Abyrd berührenden Schilluklandes. Einer ihrer Stämme trägt den arabischen Beinamen Hadrawa; andere bewohnen im Osten von Dar Nuba einen besondern Distrikt, Tegele oder Tagalla genannt; es sind das_ganz sicher die Eingeborenen Kordufans, welche die Ausdehnung der Barabra und der Araber in ihre jetzigen Zufluchtsorte gedrängt hat. Man trifft sie vornehmlich im Djebel Daier, aber auch sonst im Lande an. Die Nuba sprechen eine eigentümliche Sprache, die in mehrere Dialekte zerfällt; einige derselben, besonders das „Koldaghi*, verrät die starke Vermischung, sogar das Vorherrschen des im obern Nubien vertretenen berberischen Elementes (oder des Dongolawi) in den Gesichtszügen und dem physischen Bau. Ausser von den Nuba wird Kordofan durch Individuen sehr verschie: denen Ursprungs bewohnt. Die sesshaft: Bevölkerung in den | kordufanischen Dörfern nördlich vom 13, Breitengrade, d. h. also so ziemlich des ganzen Landes, mit Ausnahme: von legele oder Tagalla und Dar Nuba, hat‘ den fremden Namen Kordofani angenommen. Diese Bevölkerung gehört der schwarzen Rasse nicht an. Sie teilt sich wieder in die Ghodiat (oder Qadayat), Gilledat (oder Djeleidat) und Gowame. Ein Forscher hat die Entdeckung gemacht, dass die südlich und östlich vom Djebel Kordofan wohnenden Ghodiat oder Kadayat, sowie die Tegele-Leute Verwandte der Fundj {Fupe) sind; — die in EI-Obeid lebenden . Leute heissen Musehat oder Mesaba’at, und behaupten, Verwandte der Kundjara zu sein; übrigens leben in El-Obeid selbst beispielsweise zahlreiche, aus Darfur dorthin wandernde Kundjara. 2) Die eingeborenen Stämme des obern Nubien oder Nigritiens, welche sich, zw welcher Zeit weiss man nicht, in Kordofan niedergelassen haben, sind hauptsächlich Barabra und von ihnen vorzugsweise wieder, Dongolawi oder Danagla. Diese letzteren beschäftigen sich in El Obeid (vergl. Rüppel „Nubıen“) ausschliesslich mit Gartenbau; sie lassen die Erde durch ihre Sklaven begiessen, welche das Wasser aus Brunnen schöpfen; alle sind Haudelsleute; viele wohnen in den bergigen Distrikten des Südens, mitten unter den freien Nuba, und verheiraten sich dort, um ihren Geschäften besser nachgehen zu können. Die Nuba gestatten jedoch weder einer solchen Frau noch den aus einer solchen Ehe hervorgegangenen Kindern niemals, ihren Mann. bezw. Vater in das Flachland hinab zu begleiten, aus Furcht, dass der Vater sie verkaufe (welcher Fall durchaus nicht ohne Beispiel ist). Alle diese Dongolawi sprechen ausschliesslich Barabra; die Männer verstehen jedoch auch Arabisch. 3) Die Beduinen oder Kordufanischen Hirten teilen sich in zwei Klassen: die Kababisch (oder Kubabisch) und die Baggara. Diese beiden Benennungen, welche man sehr oft, aber mit Unrecht, als Eigennamen aufgefasst hat, bezeichnen einzig und allein die Hauptbeschäftigung dieser beiden Klassen (obgleich in der That ihr beständiger Gebrauch im Sudan fast zwei ethnologische Begritfe aus ihnen geschaffen hat). Kababisch bedeutet Schafhirte, während Baggara Ochsenhirte bedeutet. Die Kababisch sind die wichtigste Klasse der kordufanischen Beduinen. Zu ihr gehören mehr als zwanzig Ferkah oder Teilstimme: Nura-Tura el-Khadra, Galayan, Atawije, Kebeschab, Berar, Amr, Aulad 'Ogba, Aulad El-Muta, Siredjab, Feth-Allah u. s. w.; unter ihnen sind die Murab die zahlreichsten. Die Baggara, welche in die Selime, Djemelije („Kamelleute“), Hawa, Hawasme, Djime (oder Gime), Habanieh, Beni Hamar und Beni Hamr (zu. welchen die Risegat gehören) zerfallen, sind gleicherweise sehr zahlreich; sie haben wenig Kamele und verwenden die Ochsen für alle Arten des Transportes. Sie bedienen sich ihrer auch als Reittiere und führen sie mittelst eines durch die Nase gezogenen Eisenringes, an welchen der Zaum befestigt ist. Sie bewohnten vormals nur die Ufer des Weissen Nils. Aber das Auftauchen eines, „Yati“ genannten Insekts, dessen Stiche” ihrem Vieh tödlich wurden, hat sie zur. Aufcabe ihrer alten Wohnsitze genötigt. Neben den Kababisch und den Baggara sind die wichtigsten Nomaden-Stämme Kordufans und des sich nordwärts bis nach Chartum erstreckenden Landes, von Nordosten angefangen: die zum Teil sesshaften, Arabisch sprechenden Dja’alin (oder Ga'- alin), welche sich in sehr zablreiche Unterstämme gliedern, wie z. B.: Djimmie, Dimean Gereschab, Nifeab, Sa’adab, Mohammedab, Mikringa,' Bedjeleb, Uadin, Gebalab, Kaliab, Djaud-Allahab, Meirefab, ’Omarab (unter denen sich die das Nubizeh der Mahas, eines Amrab-Stammes, sprechenden Schekijeh befinden), die Kiteyab, Aliab, Seidab, Mekaberab, Mosellemab, Timerab, Giaberab, Glubarab, Chatinab und Megiadib. Die Djaalın zählen nicht. zur wirklichen Bevölkerung Kordofans, aber sie sind diejenigen Nachbarn, welche das Land am häufigsten durchziehen. Dann folgen die Hassanieh im Nordosten des Landes, die Maganin, die Maramra, Ulad Gosch, Feisara, Sijade, Beni-Fadhl, Ma’ali und Gjatene. Die sich häufig findende Endung „mab* (die in der Bischarinsprache „abo* lautet), ist das Kennzeichen der Thätigkeitswörter; man ist hierdurch darauf geführt worden, eine Verwandtschaft der Kababisch, Dja’alin und Beda unter einander zu vermuten. Die Kababisch, Baggara, Djaalin, Hassanyeh etc. sprechen alle ohne Ausnahme Arabisch, obwohl sie ihre Frauen mit Vorliebe aus den Töchtern der freien Leute von El-Obeid nehmen, deren Sprache das Darfur ist. Die Djerar, Kababisch und Feissarah lagern im Norden und Nordosten. Im Winter gefährden sie die Strassennach Dongola und Schendi. Die Beni Fadhl und die Ma’ali lagern an dem Wege von El-Obeid bis zum Schilluklande und Sennar; durch sie wird der beste Weihrauch herbeigegebracht. Im Sommer ziehen sich alle diese Stämme auf die bebaute Landfläche, wo sie Weideplätze für ihr Vieh finden. Sie haben alle treffliche Pferderassen und sind ihrer kriegerischen Neigungen wegen im Lande weit und breit gefürchtet. Viele von ihnen sind auf der Scholle sesshaft geworden und bilden einen Grundstock für eine dereinstige ‘Ackerbau-Bevölkerung. Alle diese Araber haben die Hautfarbe der Dongolaner und DBerbern. Kaum kupferfarbig bei ihrer Geburt, bekommen sie infolge ihres fortwährenden Aufenthalts unter der brennenden Sonne die volle Färbung, welche zwischen Akajou- und Ebenholz die Mitte hält. Ihre Züge sind fein und ihre Haltung vornehm (sagt Escayrac de Lauture). Die Scheiks sind alle diekbäuchig. Der Bart ist grob und spärlich; ihr Haar lassen sie frei wachsen und flechten es in Strähne, deren Zahl und Beschaffenheit von einem Stamme zum andern wechselt. So tragen beispielsweise die Beni - Djerar vier, dagegen die Kababisch fünf bis sieben, und die’ Baggara eine grosse Anzahl sehr dünner Strähne. Dieser Brauch ist übrigens bei der Mehrzahl der barbarischen Völker vorherrschend. Die Bischarieh von Takah und Saakim, welche ihre Haare nicht flechten, bilden aus ihnen drei ungeheure Puffe, deren einer oben auf dem Kopfe steht, während die beiden anderen das Gesicht flankieren. Diese Hirtenvölker üben wenig Industrie. Sie erzeugen nur die für ihren persönlichen Gebrauch benötigten Gegenstände. Ihre Hauptbeschäftigung nächst der Obsorge für das Viehist die Jagd auf das Straussenmännchen, die Giraffe und Antilope. Sie bewältigen alle diese Tiere durch Hetzjagden; die Elefantenjagd ist hier selten; sie beginnt erst einen Grad südlicher und an den Ufern des Weissen Nils. Die Hauptstadt von Kordofan ist El-Obeid (Lobeid oder Obeid); ihre Bewohner nennen sich Lobeid (vielleicht nur eine Zusammenziehung der arabischen Form und des Aıtikels). Es isi eine Negerstadt in der eigentlichsten Bedeutung des Wortes, zum Teil aus Lehmhütten, zum Teil aus Ziegeln gebaut, die in der Sonne gebrannt sind: sie sind in der Regel mit einem cylindrischen Strohduch, ähnlich dem Oberteil eines Bienenstocks, bedeckt. Die Stadt mag eine halbe Stunde im Umkreise haben und unterscheidet sich von. den übrigen Ortschaften des Bandes allein durch ihre Moschee mit Minaret und die Bauten der ägypt. Behörden, sie zählt (nach Colston) 20—30 00U Einwohner. Trotz der Armut des heutigen Kordofan hat EIl-Obeid einen ziemlich bedeutenden Markt, auf welchem täglich bedeutende Umsätze zwischen den 4—-5000 Käufern und Verkäufern stattfinden, die hierher strömen; man findet auf him Rindvieh, Kamele, (retreide, Holz, Heu und sogar nore europäische Produkte zum Verkauf ausgestellt. Indessen kommen das arabische Gummi und die Straussenfedern (diese beiden wichtigsten Handelsartikel) fast niemals auf den offenen Markt. Der Ein- und Verkauf derselben vollzieht sich im Innern der Handelshäuser; die Kaufleute lernen bereits sich des Telegraphs bedienen zur Konsultierung der in Alexandrien herrschenden Preise. Die Eröffnung der Telegraphenstation zu El-Obeid erfolgte bereits im Jahre 1875. Die anderen, halbwegs wichtigen Ortschaften Kordofans sind: Bara, 70 km nördlich von El-Obeid, und Kadjmar, etwas weiter noch entfernt in der nämlichen Richtung; auch Melbes, vier Stunden südlich von El-Obeid, ist zu nennen. Im Jahre 1838, als Pallme das Land bereiste, war dasselbe eingeteilt in fünf Distrikte und zwei Bezirke (Tegele u. Dar-Nuba, welche mehr als Annexe denn als integrierende Bestandteile Kordofans anzusehen sind), nämlich: Khorsi, Bara, Kagmar. (oder Kadjmar), Abu-Harase und Daier (oder Daiara). Unter der ägyptischen Verwaltung bildete K. eine Mudirie oder Gouvernement, das in 4 Departements und einen Distrikt geteilt war, ungerechnet die Hauptstadt El- Obeid. Diese vier Departements sind die von Khorsi oder Khursi (399 Dörfer, 42 000 Einw.), Tayara (119 Dörfer, 18000 Einw.), Bara (171 Dörfer, 23840 Einw.), Abu-Harass (80 Dörfer, 16830 Einwohner); hierzu der Distrikt der Ghodiat- Leute, welcher 32 Dörfer und 6870 Einwohner zählte. Der Rest der sesshaften Bevölkerung, welcher in 92 an den Grenzen isoliert liegenden Dörfern wohnt, wird auf 27200 Köpfe geschätzt; unter ihnen befinden sich 4U00 Fullah- oder Fellata-Bauern und eine starke Kolonie von Takruri (oder westl. Tuareg). Rechnet man zu diesen Ziffern 114000) Nomaden, so erhält man für ganz Kordofan 278740 Einwohner, mit Ausschluss allerdings der so gut wie unabhängigen Gebirgsbewohner, durch erhöhen dürfte. Rüppel („Reise*, 134) bemerkt, dass man nicht sicher wüsste, ob das durch die Nuba bewohnte Land, welches durch die Araber und die ägyptischen Kaufleute mit dem Namen „Kordofan“ belest worden sei, jemals ein durch ein politisches Band verknüpftes Ganze gebildet hätte. Soviel stehe aber fest, dass zu der Zeit, wo die Herrschaft der Sennarkönige sich über die vom Nil bewässerten Landschaften bis zum 20. Breiten-Grade erstreckte, der Fürst des Flachlandes um El-Obeid herum ihr Vasall gewesen sei, und einen indirekten Einfluss auf die benachbarten Negerrepubliken ausgeübt habe. Es scheint, dass von der Mitte des 18. Jahrh. an die Herrscher Darfurs den Herrschern Sennars die Oberhoheit über Kordofan streitig zu machen anfıngen. In den ersten Jahren des 19. Jahrh. vertrieb endlich der Melik Makdum und Musalem, der Kommandant der Darfur’schen Truppen, den dem König von Sennar verbündeten Melik EI-Hachema, Musalem schlug hierauf seine Residenz in El-Obeid auf und herrschte hier unter dem Namen Mohammed über Fatel, Sultan von Darfur. Im Jahre 1820 wurde er in der Schlacht von Bara durch Mohammed Bey Defterdar geschlagen und getötet. Seit dieser Zeit‘ sind die Türken Herren des Landes. Ägypten hat, seitdem es einen unabhängigen oder, wenn man will, Vasallenstaat der Pforte bildet, Kordofan immer bis zum Jahre 1883 zu seinen sudanesischen Besitzungen gezählt. Die im östlichen Sudan durch den Mahdi Mohammed Achmed organisierte aufständische Bewegung hat dem Khedive diese schöne Provinz entrissen. Die Engländer, die heutigen „Protektoren“ Ägyptens, scheinen infolge der trüben Erfahrungen, die sie im 1884er Feldzuge unter Wolseley gemacht haben, den Gedanken an eine im Namen ihres Schützlinss durchzuführende Wiedereroberung der verlorenen Provinz aufgegeben zu haben. Sie unterhandelten sogar 1885 mit dem Mahdi in dem Sinne, den Rebellen als.Sultan von Kordofan, vielleicht gar auch als Sultan von Darfur anzuerkennen. Alles berechtigt jedoch zu der Hof nung, dass trotz dieses Wechsels in der staatlichen Hoheit Kordofan den europäischen Reisenden geöffnet bleiben werde. Mit Ägypten und den anderen Sudanländern in Verbindung, nimmt Kordofan eine hochwichtige Stellung ein im Hinblick auf die Ausdehnung des europäischen Handels nach Zentralafrika. VoneinergeographischenGeschichte Kordofans lässt sich im Grunde bislang nur sehr wenig sagen. Der Name Kordofan war in Europa um Mitte des letzten Jahrh. nicht bekannt; er ist auf der grossen Karte Afrikas von d’Anville (1749) nicht aufgeführt, Bruce hörte bei'seiner Rückkehr aus Abessinien (1772) im Sennar von Kordofan als von einem Gouvernement dieses Königreichs sprechen (‚„Travels“ VI, 370, Ausg. von 1804), und Browne nennt es (1796) ohne irgendwelche EinzelheitunterdenNachbarläindern Darfurs („Voyage* 11.). Burckhardt sammelte 1813 im obern Nubien ziemlich eingehende Nachrichten üher Kordofan, besonders über die arabischen Stämme (Nubia,$.437); aber im grossen und ganzen hat uns erst die ägyptische Eroberung (1820) die Nachrichten gebracht, welche wir jetzt über das Land und seine Bewohner besitzen. Der Ruf der goldreichen Distrikte Dar-Nuba’s ist auf dieses Ergebnis nicht ohne Einfluss gewesen. Trotz seiner in gewissen Hinsichten relativen Bedeutungslosigkeit ist Kordofan eigentümlicherweise durch europäische Reisende auffallend bevorzugt worden. Seit der türkischen Besitznahme ist es von einer ganzen Reihe von gelehrten Forschern zum Studienfeldeerwählt worden.Zu nennen sind:Rüppell(1825), Russegger(1837), Holroyd und Parkyns (1837, 1849), Theodor Kotschy (1839), Arnaud Bey (1839), Lambert, Ignaz Pallme (1838 39), Brehm (1848), Escayrac de Lauture (1850), ©. Schliefen (1853), Dr. Cuny (1857—58), Antinori und Lejean (1860), Munzinger (1861—62), Marno (1875), Stone, ‚Prout und Colston (1876), Dr. Pfund (1874 — 76), Fraccaroli und Casati (1880), Matteucei, Massari und Fürst Borghese (1880). Aus den über Kordofan veröffentlichten Werken und Schriften sind herauszuheben: Ed. Rüppell, „Reisen in Nubien, Kordofan ete.“ (Frankfurt am Main 1829, 8%); J. Russegger, „Reisen in Ägypten, Nubien ete.* (Stuttg. 1844); Th. Kotschy, Reise nach Kordofan (Petermanns Mittheil., Ergänzungshefte No. 7, 1861, 40); Holroyd, Notes of a Journey of Kordofan (1836—1837); Journal of the Royal Geogr. Soc, vol. IX, 1839; J. Pallme, Beschreibung von Kordofan (Stuttgart 1843, 80); Mansf. Parkyns, „Ihe Kubbabish Arabs between Dongola and Kordofan“; Journal of the Royal Geogr. Soe., vol. XX, 1851; Brehm, „Reiseskizzen“ (I. Bd.); Escayrac de Lauture, „Notice sur le Kordofan“; Bulletin de la Soe. de Geogr. (4. Serie 1851); Cuny, „Voyages de Liout ä el-Obeid (1863, 89); Munzinger, „Reise von Massua nach Kordofan“ (Petermanns Mitth., Ergänzungsheft No. 13, 1864); ibidem, „Bemerkungen über Ethnographie von Kordofan“ (Schaffh. 1864, 8°); Hartder Nilländer* (1865); Prout, General report on .the province of Kordofan (Kairo 1878, 8"); Mawmo, „Reise in der ägypt. Äquatorialprovinz und in Kordofan‘ (1874—76); Colston, „Notes sur les tribus des Bedouins de Soudan et du Kordofan (1876; Bull. de la Soc. khediv. de Geogr. du Caire); dto., „Report on nortbern and central Kordofan“ (Kairo 1878, 8%); Dr. Pfund, „‚Reisebriefe aus Kordofan und Darfur“ (Mittheil. der Hamburg. Geogr. Gesellschaft 1877).