Kordofän oder Kordifäl, große Landschaft im Innern Afrikas, erstreckt sich mit dem zu Türkisch-Nubien gehörenden Teile von 11 20“ bis 15 20 nördl. Br. und von 29 bis 32· 30/ östl. L. von Greenwich von der Bajüdasteppe im N. bis zum Dschebel-Dair, einem Ausläufer des mächtigen Takale⸗ oder Tegelibergstocks im S., sowie fast von den Ufern des Bahr-el-Abiad oder Weißen Nil im O. bis zu einer unbewohnten, von unabhängigen arab. Nomadenstämmen durchschweiften Steppenzone im W., welche die Grenze gegen Darfor bildet, als eine ungeheure Savanne, die in der Conversations-Lexikon. 13. Aufl. X. — trockenen Jahreszeit ganz dürr und wüstenartig daliegt, in der Regenzeit dagegen sich mit der üppigsten Grasvegetation bedeckt, unterbrochen durch Mimosenwälder. In geringer Tiefe findet man ein weites unterirdisches, zur Bewässerung der Felder durch Brunnen benutztes Wasserbecken. Aus den Ebenen, deren mittlere absolute Höhe 430 bis 560m beträgt, und die sich allmählich von S. nach W. erheben, steigen mehrere Berggruppen und isolierte Berge von 45 bis 244 m Höhe rund um den Hauptort El-Obeid, besonders aber zwischen der Nord- und Südhälfte des Landes auf. Die Savanne ist in der Nähe der etwa 900 Brunnen (von 22 bis 60 m Tiefe) mit Dörfern besetzt und in der von Juni bis September währenden Regenzeit von Nomadenstämmen mit zahlreichen Herden, besonders von Kamelen, bewohnt, in der trockenen Jahreszeit aber von diesen verlassen. Ungeheuere Antilopenherden, Giraffen, Strauße und Vögel der verschiedensten Art bilden das Tierreich dieses Teils der Ebene mit stellenweise prächtigem Pflanzenwuchs. Der südl. Teil K.s ist zwar auch eine Savannenebene, doch findet infolge der thonigen Beschaffenheit des Bodens eine gleichförmigere und dauernde Bewässerung desselben statt, die wiederum eine bewundernswürdige Fülle der Vegetation zur Folge hat. Hier wachsen Adansonien, Cassien, Tamarinden und Palmen. Außer Löwen, Leoparden, Affen und einer Menge Hyänen findet man mehrere seltene Vögel, große Ameisenbären und viele Arten großer Antilopen. An verschiedenen Orten wird ausgedehnte Eisengewinnung betrieben. K. wird von einem Stamme der Nubaneger bewohnt, der von seinen Herden lebt; außerdem finden sich in K. auch viele eingewanderte Dongolesen, die besonders Handel, und mehrere aus Hedschas gekommene Beduinenstämme, die Viehzucht treiben. Die erstern betreiben den Karawanenhandel zwischen Dongola und Darfor, dessen Hauptartikel Sklaven, Gold, Gummi arabicum, Weihrauch, Natrum und Häute sind. K. gehorchte seit 1790 den Herrschern von Sennaar und wurde später denen des Darfor unterworfen; 1821 unterjochte es Mehemed-Ali, indem er eine Menge Einwohner in die Sklaverei abführte und die Araberstämme zu einem Tribut zwang. Seit 1883 ist es im Besitz des Mahdi (s. d.), der im Februar 1884 von Gordon, dem ägypt. Generalgouverneur des Sudan, als Sultan von K. anerkanzt wurde. Mit dem Distrikt Takale wird K.s Areal auf 108280 bis 278 740 akm, die Bevölkerungszahl auf zur Hälfte seßhafte (164 740) in 860 Dörfern, zur Hälfte nomadisierende (114000) Hasanieh, Kababisch und Baggara geschätzt. Hauptstadt ist El-Obeid (s. d.) Vgl. Rüppell, «Reisen in Nubien, K. u. s. w.» (Frankf. 1829); Palme, «Beschreibung von K. » (Stuttg. 1843).