Kuafi (in der Mehrheit Wakuafi), der Name, welchen die Küstenstämme den zwischen 2" nördl. und 4” südl. Br. wohnenden Orloikob (Iloikob), vorzugsweise dem am Berge Kenia wohnenden Volke geben, während sie das am Sambi-Berge wohnende Volk Masay (in der Mehrzahl Wa-Masay) nennen. Beide Völker, die Kuafi und die Masai, sind nahe miteinander verwandt, bekriegen sich aber häufig. Die Masai, welche sich selbst Il-oikob („die Männer, die Starken“) nennen, geben den von ihnen verachteten Kuafi den Namen „Imbarawuco* (Weiber). Die Sprache ‚der Kuafi ist den Galla verwandt. Sie sind, gleich den Masai, gross, schlank und tiefdunkelbraun, mit rötlichem Grundton gefärbt. Die langen Köpfe zeigen eine nach hinten zurückweichende Stirn, eine entwickelte, aber mit breiten Flügeln versehene Nase, wulstige Lippen und einen grimmigen, zuweilen fratzenhaft verzerrten Ausdruck. Sie binden ihr Haar am Hinterkopf mit einer Schnur zu einem End. wulst zusammen. Sie durchstechen die Ohrläppchen und erweitern die enstandene Öffnung oft übermässig, brechen sich die beiden unteren mittleren Schneidezähne aus, röten sich bei ihren Tänzen den Körper mit Ocker und salben ihn mit vom Fettschwanze des Schafes gewonnenen Talge ein, Sie üben bei beiden Geschlechtern die Beschneidung aus. Als Wohnungen dienen ihnen zeltartige, mit Rindshäuten gedeckte, zur Regenzeit mittelst Kuhmist gedichtete Hütten. Zum Schlafen benutzte Matten und Häute, einige grosse Töpfe und Flaschenkürbisse und Lederschläuche bilden deren Ausstattung. Ihre Nahrung besteht aus ungesäuerter Milch, Talg, Fleisch und frischem Blut. Ihre Viehzucht ist bedeutend (Esel, Zebus, Ziegen und Fettschwanzschafe). Das zur Nahrung für ihre Herden dienende (Gras brennen sie nicht ab, sondern halten es hoch in Ehren, so dass sie es nicht einmal zur Bedeckung ihrer Hütten abschneiden. Die W. sind, gleich den Wa-Masay, arge, unverbesserliche Räuber. Alljährlich brechen sie aus ihren unwirtlichen Steppen heıvor, suchen die benachbarten Länderstrecken mit Mord und Brand heim, stehlen Gross- und Kleinvieh und verschwinden ebenso schnell wieder, wie sie gekommen sind. Sie fechten, gleich den Matabele-Kaffern und den echten Zulu, in geordneten Haufen, nach bestimmten Regeln des Angriffes und der Verteidigung. Sie werden von einer wilden Tapferkeit beseelt und scheuen sich nicht, über die von vielen, schwer bewaffneten . Bedeckungsmannschaften begleiteten Handelskarawanen herzufallen. Sobald die Handelsleute Feuergewehre führen, pflegen sie auch voll ängstlicher Hast ihre Munition in schnell aufeinander folgenden Dechargen zu vergeuden. Die Masay aber schleichen heran, ducken sich, sobald die Salven krachen, mit vorgehaltenen Schilden nieder, springen dann, selten durch die mit; schlechtem Pulver geladenen Gewehre verwundet, empor, ünd werfen sich mit fest eingelegter Lanze und gellendem Geheul auf den entsetzten Feind. Manche Scharen schwächlicher Jünglinge Yemens sind schon dem Ansturme der grimmen Orloikob unterlegen, ohne erst vorher mit ihren Luntenröhren zum Scharmutzieren gekommen zu sein (Hartmann).