
Mauren, eines der den Nordrand Afrika’s (die Berberei) bewohnenden’ Völker, die ihren Namen von den alten Mauren oder Maurusiern, den Bewohnern des alten Mauritanien übernommen haben, ohne deren echte Nachkommen zu sein. Denn während die Bewohner Mauritaniens zunächst mit den Numidiern verwandt waren, zu. dem berberischen Völkerstamme gehörten und in den heutigen Amazirghen ihre echten Nachkommen besitzen, sind die M. eine Mischlingsrasse, die aus altmaurischem und arabischem Blut ‚(unter Einwirkung römischer, germanischer und anderer Elemente) hervorgegangen ist, vorzugsweise die Bevölkerung der Städte und Küstengegenden Mauritaniens bildete, aber auch auf die Städte-Bewohner der übrigen Berberei überging, die aus Vermischung der Ureinwohner mit den Arabern entsprun- _ gen war. Die M. sind ein schöner Menschenschlag mit edeln orientalischen Gesichtszügen, die den Ausdruck von Milde und Melancholie tragen; die Zähne und Augen sind gewöhnlich schön, der Körper etwas hager; von Charakter sind sie zwar sanft und umgänglicher als die Berbern und Araber, aber auch phlegmatisch, kraftlos und geistig stumpf, trotz ihres Fanatismus für den Islam, feig, grausam, wollüstig, hinterlistig, geizig, habsüchtig und in den grössern Städten sehr verdorben. Ein grosser Teil von ihnen treibt Kramhandel oder Kaffeeschank, die ührigen sind meist Handwerker, Gärtner und Landbauer. Sie tragen Hemden, darüber einen Kaftan, den eine Schärpe oder lederner Gurt hält. Beim Ausgehen werfen sie noch ein Stück weisses Zeug über (dev Armen einzige Kleidung); alle führen Dolche. Die Frauenzimmer tragen unverheiratet blosses Haar, die Augenbrauen färben sie schwarz. Die Mädchen verheiraten sich im 13. Jahr, die Braut wird in einem verhängten Käfig zu ihrem Bräutigam gebracht, vorher aber nicht von ihm gesehen. Die M. nehmen bis zu 4 Weiber. Da die Araber, welche Spanien eroberten, aus Mauritanien herüberkamen, auch wohl mit Mauren stark vermischt waren, so wurde der Name M, auch auf dieselben übertragen und die Bezeichnungen M., Araber und Sarazenen in der Geschichte Spaniens synonym gebraucht. Die Mauren kommen zuerst in der Geschichte im 4. Jahrhundert v. Chr. als Bundesgenossen der Karthager vor; die Römer lernten sie in dem Jugurthinischen Kriege kennen, wo ihr König Bocchus 108 v. Chr, den Römern seine Hilfe gegen seinen Schwiegersohn, den König Jugurtha von Numidien, anbot; aber Metellus. und Marius wiesen seine Anerbietungen zurück, und von Jugurtha durch Abtretung. eines Teils von Numidien gewonnen, stiess er nun mit seinem Heere zu demselben, wurde aber 107 von Marius zweimal, zuletzt bei Cirtha, geschlagen. Bocchus schloss Frieden mit den Römern, lieferte den Jugurtha in Sulla’s Hände — 3. Assagai. — 4, Patı 7. Dolch, — 8. Ho ;ronentasohe. — 5. Metalllöffel, — 6. Gewebe. — olzlöffel. underhielt106 dasan Mauritanien grenzende Gebiet der Massäsylier, nebst dem Titel römischer Bundesgenoss, zur Belohnung. Ihm folgten in der Regierung seine beiden Söhne Bocchus und Bogudes, welche es beide mit Cäsar hielten und daher den Titel als Könige bekamen; dem Bogudes verdankte Cäsar namentlich die Entscheidung des Sieges bei Munda, 45 v. Chr.; Bocchus Sroberte 46 v. Chr. für sich Cirtha in Numidien. In dem Bürgerkriege zwischen Antonius und Oktavianus trennten sich die beiden Brüder, Bogudes hielt es mit Antonius, Bocchus mit Octavianus. Nachdem Bogudes nach der Schlacht bei Actium, 31 v.Chr., in Methone, welches er gegen Agrippa, verteidigte, gefallen war, erhielt Bocchus Seh den von seinem Bruder beherrschten Teil Mauretaniens. Nach dessen Tode 29 v. Chr. vermählte Octavianus seine und der Kleopatra Tochter, Kleopatra oder Selene, mit Juba, Sohn des Königs Juba von Numidien, und gab domrelben Mauretanien nebst Gätulien als Reich. Dessen Sohn und Nachfolger war Ptolemäos, welchen Kaiser Caligula 42 n. Chr. umbringen liess, um sich seiner Schätze zu bemächtigen. Um den Tod des Ptolemäos zu rächen, machte ein Ergebener desselben, Ädemon, einen Aufstand, welcher vom Kaiser Claudius untärdriiekt, worauf Mauretanien zur römischen Provinz gemacht wurde. Es kam 429 n Chr. mit Nordafrika in die Gewalt der Vandalen, wurde aber 584 von den Byzantinern und im 7. Jahrh. von den Arabern erobert: Die Araber suchten von hier aus auch Spanien mit räuberischen Streifzügen heim, wurden aber um 672 von dem gotischen König Wamba mit grossem Verlust an Schiffen zurückgetrieben. Als jedoch einige Zeit darauf im Reiche der Westgoten in Spanien Unordnungen entstanden, schickte 711 der ‘ arabische Statthalter Musa in Afrika Tarik’s Anführung nach Spanien, welchem Musa bald selbst mit neuen Schwärmen folgte, und eroberte mit diesem in einem Zeitraume von nicht ganz 5 Jahren ganz Spanien mit Ausnahme der Gebir gsgegenden des Nordens. Die M. machen nun im Jahrh. Ausfälle bis jenseits der Pyrenäen, bis 732 Karl Martel ihren Heerführer Abderrhaman bei Poitiers schlug und ihnen ein Ziel steckte. Die Mauro-Araber kultivierten in Spanien Künste und Wissenschaften, und Cordova, Granada und die andern maurischen Städte waren damals die Orte, wo die Künste, bes. die Baukunst, am schönsten blühte, die Wissenschaft fast einzig Fortschritte machte und die Dichterkunst die schönsten Blüten trieb. 1492 vertrieben Ferdinand der Katholische and Isabella im letzten Vernichtungs-Kriege den letzten maurischen Sultan, Boabdil. Viele M. schifften in diesem Jahre mit ihrem Beherrscher nach Afrika hinüber, andere bekehrten sich, wenigstens äusserlich, zum Christentum u. blieben, als stille, fleissige und treue Unterthanen in Spanien zurück, wo man sie Moriskos nannte und sie und ihre Nachkommen unter hartem Drucke hielt. 1569 —70 erregten die Bedrückungen unter Philipp II. einen Aufstand, infolge dessen 1OV 000 Moriskos verjagt wurden. Die Übrigen traf unter Philipp II. ein gleiches Schicksal, und Spanien verlor 1609 dadurch eine Bevölkerung von 600000 fleissigen Menschen. In Afrika, seit Jahrhunderten nicht mehr ihr Vaterland, betrachtete man sie als heimliche Christen, und sie wurden von den wilden Räuberhorden des Restes ihrer Habe beraubt.