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ErdkundeAfrika Hand-Lexikon 1885

Tripoli, ‚die is regio -der Alten, ein 180 Meilen langer Küstenstrich an der. Nordküste Afrikas zwischen Ägypten und Tunis, jetzt türkisches Paschalik, das in 4 San- ' dschakate: Fezzan, Benghazi, Mesurata und Ghadames geteilt ist, Hezzan und Ghadames (s. d.) stehen unter einem Pascha, der jedoch dem Gouverneur in Tripolis en ist, Mit Barkah (s. d.) und Fezzan (s. d.) zählt es etwa 16200° Q.-Min. ‚und 750000 Einwohner. Die Bewohner sind meist Mauren und nomadisierende Araber, doch trifft. man, namentlich in den Küstenplätzen, auch viele Türken und Juden. Berbern sind. nur in verhältnismässig geringer Zahl vorhanden. Das Küstenland wird von dem Innern durch das Ghurian-Gebirge und den Harudsch geschieden, a] längs der Grenze von Tunis str eicht der Dschebel Dschefara. Der westliche, Teil des Landes ist der fruchtbarste, und namentlich in der Umgebung der Stadt Tripolis gedeihen alle Südfrüchte vortrefflich, auch Baumwolle wird dort gepflanzt. Weiter landeinwärts wird der Boden immer ungeeigneter zum Anbau europäischer Obstarten. Jenseits des Ghurian kommen Orangen, Zitronen, Johannisbrot-Bäume u. s. w. nicht mehr vor, die Grenze des Verbreitungsgebietes des Ölbaums bildet nach Soden hin das Thal ‘Beni Olid. Die Umgegend von Mesurata liefert guten Wein. Datteln, Feigen und Wein gedeihen noch tief im Innern von Fezzan. Von Getreidearten wird hauptsächlich Weizen und Gerste gebaut. Verbreiteter als der Ackerbau ist die Viehzucht, und die Schafe von Tripoli zeichnen sich durch besonders feine Wolle aus. Die Pferdezucht liefert sehr edle Tiere. Vieh und Bodenerzeugnisse sind daher auch die bedeutendsten Handelswaren, ausserdem in geringen Quantitäten Elfenbein und Goldstaub. T. exportiert in guten Jahren Öl, Weizen, Gerste, Vieh, Wolle, Elfenbein, Goldstaub etwa 7 — R Mill. Honken a bezieht vom Auslande hauptsächlich Baumwolle, Wollstoffe, Metall und Glaswaren, Waffen u. Pulver, Nutzholz, Kolonialwaren u.s.w. im Werte von 3-4 Mill. Die Stadt Tripolis ist der Haupthafen des Gebietes, der etwa drei Vierteile der. Ein- und Ausfuhr absorbiert. Die Bevölkerung verfertist schöne Woll- und Seidenstoffe, auch Leder und Metallwaren, aber die Industrie ist ziemlich unbedeutend. . Die Hauptstadt Tripoli (türkisch Tarabolus) liegt auf einer in das Meer vorspringenden Landzunge und ist mit Mauern und Bastionen umgeben. Im Westen tritt zwär die Wüste ziemlich dicht an die Stadt heran, aber dieselbe ist doch rings von Gärten umgeben, in denen die herrlichsten Südfrüchte gedeihen.. In dem amHafen gelegenen Stadtteil wohnen meist Christen, und dort befinden sich auch die Kirchen und Konsulate. Den westlichen Stadtteil bewohnen die Juden, und die Mohammedaner die innere Stadt, deren Gassen noch unsauberer sind als jene des Judenviertels. Tripolis zählt etwa 30060 Einw., darunter 2000 Christen und 3000 Juden. : Als Handelsplatz ist es trotz: des überall’bemerkbaren Verfalls noch immer wichtig, da aus dem Sudan grosse Karawanen hierher kommen, -welche namentlich Straussenfedern, Saffian, Gold und Elfenbein mitbringen. „In der:Stadt sind. viele verfallene Häuser; die Handelsblüte fällt in das 13. und 14. Jahrhundert; damals. war Tripoli nahezu der wichtigste Stapelplatz an der Küste Nordafrikas. Die Venetianer wussten sich grosse Vorrechte auszuwirken, namentlich inbezug auf die Salzausfuhr; sie schlossen, trotz aller päpstlichen Verbote, mit den mohammedanischen Dynasten Verträge, welche ihnen Schutz für Personen und Eigentum zusicherten; sie durften Fonduks (Faktoreien) und Kapellen bauen, auch Bäder und Friedhöfe in allen Städten haben und standen unter der Jurisdiktion ihres eigenen Konsuls, der in Tripoli ansässig war. Dorthin nach Porto Magro und nach Mesurata brachten sie besonders Glaswaren, Korallen, Seidenzeuge, Brokate, Farbehölzer für die Maroquinfabriken, Wein, Liköre, Gewürze, Nürnberger Waren, Leinwand, Tuche, Eisenwaren, Helme,. Schilde, Lanzen und andere Waffen, Segel- u. Takelwerk, Blei, Zinn, Kupfer, Quecksilber und auch Holz, namentlich Bretter und Balken. Dieses: Holzhandels wegen haben die Venetianer die Küstengebirge am Adriatischen Meere, die jetzt so kahl sind, auf die schnödeste Art verwüstet. Auch die Genueser wurden in Tripolis begünstigt. Sie hatten dort schon im Jahre 1216 Magazine, Bäder, einen Backofen, ein Gasthaus und eine Kirche, auch ihr Fonduk stand unter ihrem eigenen Konsul; sie führten vorzugsweiseW olle aus nach der Provence, Languedoc und Katalonien, daneben aber auch alle anderen Landeserzeugnisse, nebst Datteln aus Fezzan und Ghadames. Vieles wurde mit barem Gelde bezahlt, das andere mit europäischen Fabrikaten. So lebhaft war der Verkehr mit Tripolis, Barkah u. Tunis, dass 1253 in Genua für die aus dem Mashreb eingeführten Waren ein besonderes Zollhaus eingerichtet wurde. In der Mitte des 14. Jahrhunderts verloren sie durch eigene Schuld ihre Privilegien. Ihr Admiral Philipp Doria mischte sich 1355 im die. inneren Händel, nahm verräterisch Tripolis ein und plünderte die Stadt systematisch -aus; seitdem wurden die Venetianer und die katalonischen Kaufleute begünstigt. Auch/Bisaner kamen nach. Tripolis, das 1551 den Malteserrittern- von den Türken aberobert wurde, welche bis 1714 im Besitze waren. Dann bemächtigte sich ein Bey aus der Familie Karamanli, der die arabischen Stämme im Lande befehligte, des Landes und Tripolis ward ein Haupt- Seeräubernest. Seit 1836 ist es dem Sultan der Osmanen wieder unterworfen und leidet nun unter der bekannten türkischen Wirtschaft. Der Einfluss Englands ist entschieden vorwaltend.“

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 3, S. 1283Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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