Brot, die Speise der Speisen, derer man niemals überdrüssig wird, ist ein Backwerk aus mit Salz gewürztem, ausgegohrenem Mehlteig, der in den verschiedenen Ländern und Landestheilen aus ziemlich verschiedenen Grundstoffen bereitet wird. Man unterscheidet danach im Allgemeinen: Weizen- oder Weißbrot aus reinem Weizenmehl, (franz. Pain, engl. Bread), ausgezeichnet durch weiße Farbe, reinen und milden Geschmack, leichte Verdaulichkeit und größte Nahrhaftigkeit, da 945, der Trockensubstanz in den Storffwechsel eintreten. Das Weißbrot hat seit Anfang des 18. Jahrhunderts das Hausbrot in Frankreich gänzlich, in England, Süddeutschland und Oesterreich gut zur Hälfte verdrängt. Es erscheint vorzugsweise in Gestalt eines langgestreckten Wulstes, nie in großen, runden Laiben wie das Hausbrot, und führt nach Gestalt und Oertlichkeit sehr verschiedene Namen (Semmel, Stuten, Stolle, Schripfe, Wecken, Kipfel u. s. w.). Das Wiener Weißbrot gilt mit Recht für ausgezeichnet. Bäcker⸗ oder Hausbrot (franz. Pain bis-blanc) wird aus einer Mischung von Roggen-und Weizenmehl (bisweilen auch Gerstenmehl) bereitet, hat eine gelbgraue Färbung, schmeckt mehr oder weniger säuerlich und steht an Nahrhaftigkeit dem Weizenbrot am nächsten, da rund 90%% der Trockensubstanz verdaut werden. Es erscheint in gestreckter oder runder Gestalt (Stollen und Laiben) und beherrscht Deutschland, Dänemark, Schweden und Rußland. Schrot⸗ oder Grahambrot, ein sehr schmackhaftes, dichtes Kleienbrot aus geschrotetem Mais oder Weizen, kam im siebenten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts in Europa in Aufnahme und wird als äußerst nahrhaft gerüßhmt — namentlich die Vegetarianer sind es die ihm zu großer Popularität verhalfen. Es gibt nur 88574 seiner Trockensubstanz bei der Verdauung ab. Roggen- oder Landbrot (franz. Pain bis) aus reinem Roggenmehl, schmeckt in der Regel etwas säuerlicher als das Bäckerbrot, steht aber im Uebrigen diesem gleich. Da nur noch wenige Landwirthe ihr Korn in die Mühle schicken, sondern fertiges „Brotmehl“ kaufen, ist das Landbrot seit etwa 30 Jahren auf den Aussterbe-Etat gesetzt und selbst in Norddeutschland bereits selten. Schwarz- oder Commißbrot (franz. Pain noir), eine Art davon ist in Westfalen der Pumpernickel, ein dunkelbraunes, fast schwarzes Kleienbrot aus geschrotetem Roggen, hat einen eigenthümlich kräftigen Geschmack, ist aber wenig nährend, da nur 8077% der Trockensubstanz verdaut werden. Der Rheinländer und Westfale sucht daher das Starke mit dem Zarten unter einen Hut zu bringen und verspeist nicht reinen Pumpernickel, sondern „Mönch mit Nonne“, d. h. er paart die Schwarzbrotschnitte mit einer Schnitte Weißbrot und schiebt zur Vermeidung übler Nachrede eine Lage Butter und eine Scheibe saftigen Schinkens zwischen beide ein. In dieser Gestalt sollen Mönch und Nonne sogar von verbissenen Freigeistern hochverehrt werden. Ein echter westfälischer Pumpernickel wiegt 25 bis 30 kg, erscheint (wie fast alles Schwarzbrot) in Gestalt eines länglichen Rechtecks und darf unter allen Umständen nur in Schnitten auf den Tisch gebracht werden. Dies gilt auch von den weit kleinern Zwerg-Pumpernickeln, wie sie im Handel gewöhnlich sind. Die Franzosen lernten den Pumpernickel während des siebenjährigen Krieges kennen und machten sich sogar eine eigene Etymologie für den auffälligen Namen zurecht, wonach einer ihrer Dragoner, dessen Pferd Nickel hieß, das ihm im westfälischen Bauernhause angebotene landesübliche Brot mit den Worten zurückgewiesen hätte: „O'est bon pour Nicolé (das mag für meinen Nickel gut sein). Der gemeine Soldat wird allerdings so oder ähnlich gedacht haben, die Officiere aber fanden den Pumpernickel im Verein mit westfälischem Schinken vortrefflich — und wurde die feine Tafel um eine Delieatesse, der Handel um einen Artikel reicher. Der Pumpernickelversand beläuft sich zur Zeit auf durchschnittlich w10 000 g jährlich. Der Name ist natürlich echt niederdeutsch und eine ähnliche Scherzbezeichnung, wie „sanfter Heinrich“ sür den Gilkaschnaps, „Brotwasser“ für den Remsthaler Neckarwein u. s. w. Gerstenbrot und Haferbrot, aus reinem Gerstenrespective Hafermehl oder aus einem Gemenge beider, kommen in Oesterreich gar nicht, in Deutschland nur im armseligen Spessart, häufiger dagegen in der Schweiz, in Griechenland, in Schottland und Skandinavien vor. Diese beiden Brotarten sind unschmackhaft, trocken, von geringem Nährwerth und gehören bereits zur Klasse der sogenannten Hungerbrote, die in Nothzeiten aus allen denkbaren und undenk—⸗ baren Rohstoffen (Kartoffeln, Kohlrüben, Roßkastanien, Baumrinde, Moos, Stroh, Laub, Leder etc.) mit einem geringen Zusatz von Getreidemehl hergestellt zu werden pflegen. Maisbrot, aus reinem Maismehl, ist von blendender Weiße und äußerst nahrhaft — aber widerlich süß und dürr wie Sand. Man stellt daher in Spanien, Italien, Ungarn und Wien Maisbrot aus einem Gemenge von Mais-⸗ und Weizen⸗, respective Roggenmehl her, das vortrefflich mundet und vorzüglich nährt. Kastanienbrot, aus zerriebenen Kastanien und mit Sesamsamen bestreut, ist ausschließlich auf Kreta im Gebrauch. Kleberbrot, ein kleberreiches und stärkearmes Krankenbrot, wird fabrikmäßig in Paris (P. Possian-Henry) und Mannheim (Bassermann) aus Kleber, etwas Weizenmehl, Weizenkleie und entzuckerten Mandeln hergestellt und schmeckt etwas fade, leistet aber Zuckerkranken wesentliche Dienste. Kraftbrot, aus Getreide- und Bohnenmehl unter Zusatz von Bierwürze bereitet, liefert die Firma Degener & Mirow in Braunschweig. Der Nährwerth dieses Brotes ist allerdings bedeutend — aber der Geschmack!! ...