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PflanzenreichAppetit-Lexikon 1894

Endivie, der Cichorie rechte Base und im Wesentlichen nur durch den Geschmack von ihr verschieden, wird gewöhnlich für ein geborenes Hindu-Fräulein ausgegeben, ist aber höchst wahrscheinlich erst durch die Araber nach Indien gelangt, da die Mutterpflanze noch heute im Mittelmeergebiet (3. B. auf Sicilien und in Dalmatien) wild wächst. In Italien und in Griechenland wird die Pflanze heutzutage kaum beachtet, es ist daher sehr fraglich, ob die Alten sich jemals ihrer bedient haben. In ganz Spanien dagegen bildet sie das beliebteste Wintersalatgewächs, und wahrscheinlich von dorther ist sie als fertige Culturpflanze nach Frankreich, Deutschland und Oesterreich gekommen. In Stuttgart erscheint sie 1565 als Zögling des herzoglichen Lustgartens, in Norddeutschland dagegen war sie noch um 1590 vollkommen unbekannt. In Oesterreich zog man schon um 1650 verschiedene Spielarten, und gegenwärtig dürfte sie wie die Brunnenkresse so ziemlich über die ganze Erde verbreitet sein. Die Endivie dient ausschließlich zum Salat, und zwar besonders zum Wintersalat, da ihr den Sommer über der Lattich allzu starke Concurrenz macht. Kräftiger als dieser, aber doch weit weniger bitter als die Cichorie, empfiehlt sie sich besonders zu fettem Braten — nur darf man sie nicht in Essig ersäufen, denn ihr balsamischer Eigengeschmack geht dabei weit leichter verloren als die Bitterkeit der Cichorie und die aromatische Frische des Lattichs.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 145Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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