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PflanzenreichAppetit-Lexikon 1894

Citronen heißen die Früchte sämmtlicher Mitglieder der Linie Citrus medica, des sehr alten, ehrenwerthen und löblichen Geschlechts der Orangengewächse, nämlich die Sauereitrone oder Limone, die Süßeitrone oder Limette, der durch Adams fatalen Biß für alle Ewigkeit mit Eindrücken gekennzeichnete Adamsapfel und endlich die echte Citrone oder Cedrate mit ihren beiden Spielarten, der goldgelben, dünnschaligen Bergamott- und der großen, narbigen Citronateitrone. In Mittel- und Nordeuropa indessen versteht man unter Citrone ganz ausschließlich die ziemlich dünnschalige Sauereitrone oder Limone, die ein fast unentbehrliches Gewürz unserer Küche und unserer Tafel bildet und alljährlich in vielen Millionen Exemplaren verbraucht wird. Gleichwohl scheint gerade der Limonenbaum später als alle andern Citronenarten aus seiner ostindischen Heimat über Medien und Persien nach Europa gelangt zu sein, wenigstens verdankt er die Aufnahme seiner Cultur in Aegypten, Nordafrika und Südeuropa erst den Arabern, während der erste Eitronenbaum z. B. schon zur Zeit des Palladius (im 5. Jahrhundert n. Chr.) über ganz Italien verbreitet war. Wie es scheint, wußte man nichts Rechtes mit den sauern Früchten anzufangen, denn obschon die Limone bereits 1260 auf Sicilien und in Toscana gezogen wurde, findet sich noch bei Jovius Pontanus (gest. 1505) die Bemerkung, daß sie nirgends als Speise verwerthet werde. Schon sechzig Jahre nach Pontanus aber gehörten eingemachte Citronen Tag für Tag zum Dessert der kaiserlichen Tafel in Wien, und wenn auch das 19. Jahrhundert speciell auf diese langweilig herzustellende Leckerei so ziemlich wieder verzichtet hat, so verbraucht es dagegen um so großartigere Mengen Citronenschalen und Eitronenscheiben als Gewürz und zu Garnituren, sowie endlose Quantitäten Citronensaft zu einfachen Kühltränken, Limonaden, Bowlen, Punsch u. s. w. London allein consumirt jährlich an 18 Millionen Citronen, verschlingt also — nahezu eine Jahresernte der beiden Limonen-Inseln Paros und Naxos, die an 20 Millionen Stück im Jahre erzeugen. Oesterreich deckt seinen Bedarf hauptsächlich über Triest (1890 betrug die Einfuhr an Cedraten, Limonen und Pomeranzen 224 000 g9), Deutschland über Oesterreich und direct aus Italien und Spanien. Für die beste Sorte gelten die glatten, feinschaligen Limonen von Rom, die aber im Handel nicht zu haben sind. Diesen zunächst stehen die von Genua und aus der Riviera (San Remo und Menton), dann folgen die griechischen, die norditalienischen, die sicilianischen und spanischen und endlich die portugiesischen (Porto⸗-Citronen), die in der Regel etwas bitter sind, von unerfahrenen Köchen aber ihrer dicken und festen Schale wegen nicht selten für ganz ausgezeichnet angesehen werden. Seit etwa dreißig Jahren hat auch Californien (Los Angelos) den Citronenbau aufgenommen und liefert bereits bedeutende Quantitäten für den amerikanischen Markt. Außer den frischen kommen auch marinirte Limonen im Handel vor, werden jedoch mehr zu technischen Zwecken als in der Küche verwendet.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 113Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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