Portulak, Purzelkraut, Grensel oder Kreusel, ein über alle fünf Erdtheile verbreitetes und überall verwildertes Küchengewächs vom Nelkenblüthler-Stamm mit überaus saftigen, fleischigen Blättern und kleinen, glänzend gelben Blüthen, scheint ursprünglich auf der Landstrecke vom westlichen Himalaya bis nach Griechenland seßhaft gewesen zu sein, sich aber schon in vorhistorischer Zeit über das ganze heiße und gemäßigte Asien und Europa verbreitet zu haben. Die Pflanze machte im Mittelalter und namentlich im 17. Jahrhundert, nachdem ein findiger Engländer sie 1652 als funkelnagelneu aus Südamerika zurückgeholt hatte, eine ziemlich ansehnliche Figur in der Küche und kam als Gemüse wie als Salat sogar auf die Tafel Ludwigs XIV. Der Portulakbau wurde daher seit jener Zeit ziemlich schwunghaft betrieben. Im 19. Jahrhundert indessen hat man mehr und mehr den Geschmack an dem salzig-säuerlichen Gericht verloren, und heute kommt die Pflanze nur noch vereinzelt, in manchen Gegenden gar nicht mehr in den Küchengärten vor. Hier und da sammelt man aber im Frühjahr die jungen Triebe und mengt die trübgrünen Blätter dem Löwenzahn⸗, Gänsefuß⸗ und andern Natur-Salaten bei, bringt sie auch wohl ab und zu neben andern, mildern Kräutern in einer Frühlingssuppe unter. Im Allgemeinen jedoch ist das Lied des Portulaks ausgesungen: er ist vom Kraut zum Unkraut geworden.