FeedErdmandel
Haus & KücheAppetit-Lexikon 1894

Erdmandel, Grasmandel oder Cyperwurz, heißt die haselnußgroße, grauröthliche Knolle an den Wurzelenden des eßbaren Cypergrases, einer Rietgrasart mit fast meterhohen Stengeln, die in Nordafrika und Südeuropa heimisch ist und dort zum Theile auch im Großen angebaut wird. Das weiße, feste Mark der Erdmandel hat bei starkem Oelgehalt einen süßlichen, mandelartigen Geschmack, die Knolle wurde deshalb im Alterthum allgemein und wird in Valeneia noch heute vom gemeinen Manne roh gegessen. In Verona erschien sie während des 16. und 17. Jahrhunderts sogar roh neben dem Obst und dem Confect beim Nachtische, wurde aber nicht eigentlich verzehrt, sondern nur der Saft ausgekaut, der schon damals im großen Maßstabe auch zur Bereitung einer Mandelmilch diente. In Oesterreich wurde sie schon in der zweiten Hälfte des 17. Säculums cultivirt, nach Deutschland (Schlesien) aber gelangte sie erst zu Ende des 18. Jahrhunderts, indem man sie als Kaffee-Surrogat — daher auch Kaffeewurz! — an Stelle der unseligen Cichorie einzubürgern suchte. Dieser Anbauversuch mißglückte jedoch und ebenso ein zweiter, der zur Zeit der Kartoffelnoth (um 1845—1850) angestellt wurde. Als Kaffee-Surrogat wird die Knolle gegenwärtig noch in Oesterreich und ab und zu in Baden gezogen, in Aegypten benutzt man sie zur Gewinnung des goldgelben, wohlschmeckenden Erdmandelöls, in Arabien zur Bereitung eines Scherbets, in Italien, Südfrankreich und Spanien roh oder geröstet als Nahrungsmittel. Am bedeutendsten ist der Anbau in Spanien, namentlich um Valencia, wo jährlich 1000—1200 g Erdmandeln geerntet werden. Namentlich hier und in Madrid, das dazu jährlich 12 000—15 000 kg verbraucht, bereitet man aus den zerstoßenen Knollen die berühmte Orchata de chufas (Erdmandelmilch) von mandelmilchähnlichem, aber kräftigerm Geschmack, einen Kühltrank erster Güte, der auf allen Gassen und in allen Weinstuben, Limonadeschenken, Kaffeehäusern und Milchhallen der spanischen Hauptstadt zu haben ist und nicht blos bei den Eingeborenen, sondern auch bei allen Fremden in wohlverdientem Ansehen steht.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 152Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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