Kalmus, der weißliche, stark aromatische Wurzelstock des Schwertheus oder Kalmusrohrs, einer rohrartigen indischen Sumpfpflanze, wurde wahrscheinlich noch zu Anfang des 16. Jahrhunderts ausschließlich aus oder über Italien bezogen, da der Nürnberger Anton Tucher 1513 neben venedischen Mandeln, Zuckerkand und Rhabarber auch 2 Loth „Chalmus und Galget“ (Kalmus und Galgant) aus dieser Quelle kaufte. Angeblich soll die Pflanze erst 1574 nach Europa gelangt sein und zwar über Constantinopel. Da aber die Polen sie „Tartarenkraut“ nennen und die Tartaren einen ureigenen Namen für sie besitzen, so ist eine Einführung in Deutschland von Nordosten her keineswegs ausgeschlossen, um so mehr, da sie im Brandenburgischen schon um 1600 „heftig in den Gärten gezeuget“ wurde. Hier und in Oesterreich war das Rohr um 1650 vollkommen eingebürgert, „allermaßen ich ganze kleine Teiche gesehen, die anstatt des Geröhrichs eitel Kalmus haben“, wie Hohberg erzählt. Der Wurzelstock liefert, in Scheiben geschnitten und mit Zucker eingesotten, das würzige, als Magenmittel berühmte Kalmusconfeet, sowie in Branntwein gelegt den nicht minder trefflichen Kalmusschnaps und findet auch in den Liqueurfabriken mannigfache Verwendung.