Frankfurter Würstchen oder Saucischen aus gehacktem Schweinefleisch in fingerstarken Hammeldärmen sind eine Errungenschaft des 19. Jahrhunderts, die um 1840 aus Süddeutschland nach Wien kam und hier soviel Verständniß und Anerkennung fand, daß ihr die Metropole zur zweiten Heimat geworden ist, von der aus sie sich unter dem Adoptiv-Namen Wiener Würstchen nicht blos über den ganzen Continent, sondern seit der Chicagoer Ausstellung von 1892 auch nach Amerika verbreitet hat. Der fliegende „Würstelmann“ (in Norddeutschland „Wursthans“) mit dem in eine Holzmulde eingesetzten Blechkessel unter dem Arm, aus welchem er die ebenso pikante wie einfache und billige Delicatesse „brennheiß“ an die Consumenten vertheilt, ist durchaus zur stehenden Figur der größern Städte geworden, und selbst in Norddeutschland beginnt jetzt der alte Name „Saucischen“ immer mehr vor der Bezeichnung „Heiße Wiener“ zurückzuweichen. Die Würstchen werden mit Meerrettig als Appetitbissen vorzugsweise zum Bier verspeist.