FeedHaselnüsse
Haus & KücheAppetit-Lexikon 1894

Haselnüsse sind die braunen Schalenfrüchte des wegen seiner pädagogischen Thätigkeit gefürchteten Haselstrauchs, der als Wildling über ganz Europa, Nordasien und Japan verbreitet ist und in mannigfachen Spielarten auch im Garten gezogen wird. Die Haselnuß ist die nordische Mandel, sie übertrifft sogar die wahre Mandel an eigenthümlicher Würzigkeit, dem bekannten ebenso köstlichen wie undefinirbaren „Haselnußgeschmack“, und bildet daher nicht nur eine vorzügliche Dessertfrucht, sondern findet auch in der höheren Bäckerei bei Puddings, Torten u. s. w. eine ziemlich ausgedehnte Verwendung. Der würzige Kern liefert außerdem 6096 eines lichtgelben, ungemein fein und milde schmeckenden Oels, das als Speiseöl sehr gesucht ist. Die Haselnuß bildet daher einen bedeutenden Handelsartikel, und zwar namentlich die sogenannte Lamberts- oder Langbartsnuß mit ihren Spielarten: der Zellernuß (vom Kloster Zell bei Würzburg zuerst gezogen), der römischen (die aus dem Pontus nach Rom kam), der französischen Lyoner und der spanischen Barcelona-Nuß, die in bedeutenden Mengen von Avellino in Italien, Gijon in Asturien, Barcelona und Lyon exportirt und auch auf den Schwarzenberg'schen Gütern in Böhmen, im Werngrund, in Unterfranken und zu Maidstone in der Grafschaft Kent (wohin John Ray 1665 die Bareelona-Nuß verpflanzte) im Großen gezogen werden. Die gemeine wilde Hasel, das Entzücken unserer und der Kummer der norddeutschen Jugend, für die sie durch das weltberüchtigte preußische Forstgesetz vom Jahre 1879 zu einer verbotenen Frucht geworden ist, wurde schon von den Bewohnern der Schweizer Pfahlbauten benutzt, ist aber ihrer geringern Größe wegen kein Gegenstand der Ausfuhr. In Oesterreich und Ungarn kommen außerdem Bestände der Baumhasel oder türkischen Hasel vor, die 1582 durch David v. Ungnad aus Constantinopel nach Niederösterreich gelangte, und deren ältester und größter Stamm sich im Parke von Merkenstein befindet.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 224Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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