FeedKaiserling oder Herrenpilz
GeschichteAppetit-Lexikon 1894

Kaiserling oder Herrenpilz, ein großer, prachtvoller Blätterschwamm mit rothem Hut und gelbem Stiel, der in Italien häufig, zerstreut aber auch in den Fichtenwaldungen Ungarns, Böhmens und Süddeutschlands vorkommt und überall für einen Bissen erster Güte gilt. Schon die Römer der Kaiserzeit würdigten ihn nach Verdienst. „Der Speisen beste“ nennt ihn Plinius mit Nachdruck, und Martial meint: „Gold und Silber läßt sich einem Boten anvertrauen, eine Sendung Kaiserlinge dagegen nicht, denn die würde der Schlingel unterwegs mit Stumpf und Stiel verzehren“. Der Kaiserling kommt als Gemüse und auch gebacken, hauptsächlich aber mit Butter geschmort und mit Rahm und geschälten Citronenscheiben angerichtet auf den Tisch. Von andern Pilzen und namentlich dem giftigen Fliegenpilz unterscheidet er sich durch die Eigenheit, daß er das Wasser, in welchem man ihn absiedet, gelb färbt.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 258Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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