FeedKefyr
Haus & KücheAppetit-Lexikon 1894

Kefyr oder Kifir (vom tartarischen Worte kef für Lust und Wonne, also „Lustwein“), bei den Kabardinen am Terek Kapir, bei den Lesghiern Kyppe, heißt ein kumysähnliches gegohrenes Getränk tartarischen Ursprungs, das seit etwa 1880 in Rußland und seit 1885 in Deutschland ziemliche Verbreitung gefunden hat, dagegen in Oesterreich, der Schweiz und Frankreich weniger anzusprechen scheint. Das eigenartige Getränk wird in bester Qualität aus guter Kuhmilch durch Zusatz der sogenannten Kefyrkörner bereitet, erbsengroßer, gelbweiser Kügelchen von spröder Beschaffenheit, die aus dem Käsestoffgerinnsel des Kesyrs selbst durch Trocknen gewonnen werden und, in die frische Milch gebracht, als Gährungserreger wirken. Durch diese Gährung verwandelt sich das Casern größtentheils in ein leichter verdauliches Halbeiweiß (Hemialbumose), der Milchzucker aber in Milchsäure, Kohlensäure und Alkohol. Der Kefyr schäumt daher wie gutes Lagerbier und hat einen so erfrischend säuerlichen, angenehm prickelnden Geschmack, daß es unrerantwortlich wäre, ihn einzig und allein den Kranken zu vergönnen und die Gesunden von diesem Genusse auszuschließen. Wenn im Sommer das Selterwasser schal, die Sauermilch zum Ueberdruß und die Tisane de champagne knapp wird, dann wird der Kefyr, den man sich schlimmsten Falls selber bereiten kann, als ein rettender Engel und der Glaube der Mohamedaner begreiflich erscheinen, welche die Erfindung des schmackhaften Getränks dem Mohammed selber in die Sandalen schieben und die Kefyrkörner „Hirse des Propheten“ nennen. Besagte Körner sind von Ferencz Wolf, Director der Ackerbauschule zu Ekaterinodar im Kaukasus, oder von der Firma Dr. Nauck & Co. in Breslau zu beziehen, welche letztere den „Milch-Champagner“ auch fertig versendet. In Wien liefert Lehmanns Kefyranstalt ein gutes Product. Vgl. Kumys.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 268Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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