Kiebitz, das Rebhuhn der Sümpfe, wird in Oesterreich und Deutschland bei Weitem nicht nach seinem Verdienst geschätzt. Man begnügt sich, im April und Mai die ziemlich großen, schwarz getüpfelten und schmackhaften Eier zu verspeisen, und vernachlässigt dagegen das Wildpret, das zwar im Frühjahr unschmackhaft, im September jedoch, wenn der fette Vogel sich zur Reise rüstet, sehr beachtenswerth ist. Geschmort oder nach Weise der Becassine am Spieß respective in der Pfanne gebraten, bildet es einen nichts weniger als unleidlichen Bissen und darf getrost neben den Regenpfeifer gestellt werden. Die Belgier behaupten sogar: „Wer noch keinen Kiebitz gegessen, versteht nichts von Federwildpret“, und die Pariser geben ihnen insofern Recht, als sie jährlich neben 15 000 Regenpfeifern, ebenso viele Kiebitze im Preise von ½—1 Frank pro Stück über die Zunge spazieren lassen. Jung aus dem Neste genommen, läßt der Kiebitz sich nicht nur mit merklichem Vergnügen mästen, sondern auch vollständig zähmen, wie er denn z. B. auf den Hebriden durchaus zu den Hausthieren gehört. Sein Wohngebiet umfaßt die ganze alte Welt von Nordafrika und Indien ab bis zum 61. Grad nördlicher Breite. In den nördlichen Ländern erscheint er daher als ausgeprägter Zugvogel, der im März eintrifft und im October wieder abzieht, weiter gegen Süden jedoch und schon in England tritt er als Stand-, höchstens als Strichvogel auf. Der berüchtigte Kaffeehaus⸗-Kiebitz ist ungenießbar.