FeedKrautrübe oder Steckrübe
GeschichteAppetit-Lexikon 1894

Krautrübe oder Steckrübe, in Norddeutschland vorzugsweise Kohlrübe, gehört im Gegensatz zum Kohlrabi nicht zur Gemüsekohlsippe, sondern zum Geschlecht Raps-⸗ kohl, das sich in zwei Linien theilt: den ölgebenden Raps oder Reps mit einer krausblätterigen, violettstieligen Spielart, die den als Wintergemüse beliebten Schnittkohl, die Kelchbrockerln oder Pflanzeln der Wiener liefert, und den Wurzelkohl oder die Krautrübe, deren dicker, fleischiger, mit zahlreichen Faserwurzeln besetzter Wurzelstock oft eine Schwere von 1½—2 kg erreicht und sowohl als Gemüse wie als Viehfutter verwendet wird. Die Kraut-, Steck⸗, Erd- oder Kohlrübe, in Oesterreich Unterkohlrübe, in Böhmen und Schlesien Dorsch, in Pommern Wruke, in Franken Erddorsch oder Erdkohlrabe, in Hannover Steckrübe, wird in Oesterreich und Deutschland in mannigfachen Varietäten gebaut, unter denen für die Küche die Arten mit gelber Wurzel, namentlich die spanische Kohlrübe mit zartem, rothgelbem Fleisch und die schwedische Kohlrübe oder Rutalaga mit größerer und ziemlich wohlschmeckender Wurzel beliebt sind. In der Regel kommt sie, in Scheiben oder Pflöcke geschnitten und mit Kartoffeln gemengt, als Gemüse auf den bürgerlichen Tisch. Die gute Küche bedient sich ihrer nur im Nothfall, denn bei ihrem starken Wassergehalt von 85 95%, dem gegenüber die 37, Zucker kaum ins Gewicht fallen, läßt sie sowohl an Schmackhaftigkeit wie an Nahrhaftigkeit viel zu wünschen übrig. Vgl. Rüben.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 290Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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