FeedKerbelrübe
Haus & KücheAppetit-Lexikon 1894

Kerbelrübe, des Küchenkerbels knollenfüßige Nichte, ist eine in Norddeutschland ziemlich beliebte, in Niederösterreich noch unbekannte Culturform des bolligen Kälberkropfs, Rübenkerbels, Pimperleins oder Pimperlimpings, der in ganz Oesterreich, der Schweiz und Deutschland wild wächst, und dessen starke, schwarzrindige Wurzel von Alters her mit Pfeffer und Salz, Essig und Oel zu einem Salat verarbeitet wurde, der in Süddeutschland Peperle-, in Pommern Köppken-Salat hieß. Die deutsche Kerbelrübe hält im Nährwerth und im Geschmack die Mitte zwischen der Kartoffel und der Kastanie, wird im October verbrauchsfähig und ausschließlich als Gemüse, namentlich gut in Butter geschmort, als Beilage zu Kohl oder Spinat verwendet. Sie wurde zuerst um 1820 von der Gärtnerin Luise Corthum (gest. 1840) im Städtchen Zerbst gezogen und um 1855 von dem kaiserl. Obergärtner Jacques in Neuilly bei Paris auch in Frankreich eingeführt. Seit 1852 hat sie an der Sibirischen Kerbelrübe eine Nebenbuhlerin erhalten, die ebenso ertragreich und noch schmackhafter ist, so daß sie häufig wie die Pastinake und die Schwarzwurzel verwendet wird. Die Sibirierin wurde vom Gärtner Daniel Müller im Pflanzengarten zu Upsala gezüchtet und namentlich durch den Garteninspector Jühlke in Eldena bei Greifswald verbreitet.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 270Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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