FeedKronsbeeren
Haus & KücheAppetit-Lexikon 1894

Kronsbeeren, Stein⸗ oder Preißelbeeren, in Niederösterreich auch Grankerlbeeren, die scharlachrothen, kugeligen Früchte des rothen Heidelstrauchs, der in ganz Mittel⸗ und Nordeuropa, sowie im gemäßigten Asien und Amerika auf trocknem Heideboden und auf Bergrücken wild wächst. Die Preißelbeeren sind reich an Citronensäure, schmecken daher herbsäuerlich und werden roh fast gar nicht genossen. In umso größerem Umfange aber werden sie sowohl in den Haushaltungen wie für den Handel mit Zucker eingekocht, da sie in dieser Gestalt eine äußerst haltbare Conserve abgeben, die sich jederzeit auf der Tafel mit Vortheil verwenden läßt. Auch dienen sie zur Bereitung eines etwas pikanten Branntweins, des sogenannten Steinbeerwassers. In Amerika begann man daher schon 1835 Kronsbeeren zu cultiviren, den rechten Aufschwung aber nahm diese Cultur erst seit 1845, als der Taglöhner Webb den Strauch versuchsweise in angeschwemmtem Sumpfland anpflanzte und dabei Ernten erzielte, die ihn mit der Zeit zum reichen Manne und die Kronsbeere unter den Beerenobstzüchtern des Staates New-York populär machten. In Europa begnügt man sich noch immer mit dem Einsammeln der wildwachsenden Früchte, das vom September ab bis in den November hinein erfolgt, doch bildet die Beere auch hier, besonders für Norwegen, Jütland und die Lüneburger Heide, einen ziemlich bedeutenden Ausfuhrartikel.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 293Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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