Mangold ist zwar keine der ältesten, aber namentlich seit Einführung der Rübenzuckerfabrication eines der wichtigsten Culturgewächse, das als Strandpflanze im ganzen Mittelmeergebiet wild vorkommt und unter der Pflege des Menschen in zwei Haupt-Spielarten, den Gartenmangold oder die Bete und den Rübenmangold oder die Runkelrübe, auseinander gegangen ist. Der Gartenmangold mit kaum daumendicker Wurzel, auch Bete, Beißkohl, römischer Kohl, weißer oder sicilianischer Mangold genannt, hat sein Verdienst im Blattwerk sitzen, das in Milch oder Fleischbrühe gekocht mit oder ohne Essig ein einstmals im ganzen gemäßigten und nördlichen Europa hochgeschätztes, jetzt aber selbst vom gemeinen Mann ziemlich vernachlässigtes Sommergemüse liefert. Von einer aus der Schweiz stammenden Spielart, der Cardonen-Bete oder dem Schweizer Mangold mit zweifingerbreiten Blattstengeln, der 1764 durch den Apotheker Andreä nach Norddeutschland kam, benutzt man Stengel und Mittelrippe des Blattes zur Bereitung eines Herbstgemüses, das in Westpfahlen „Streppmaus“ (Strippenmus) heißt, den von der Mittelrippe abgestreiften Blattkörper aber als Spinat („Winterspinat“). Ganz im Gegensatze zu diesem Gartenmangold hat die zweite Haupt-Spielart, der Rübenmangold, sein Verdienst in der Wurzel stecken, indem nicht nur eine seiner Varietäten, die allbekannte Zuckerrübe sich zur Zuckerlieferantin für den ganzen Continent aufgeworfen hat, sondern eine zweite auch auf der guten Tafel eine ganz angesehene Stellung einnimmt. Diese zweite Unterart, die Rothrübe, Rothbete oder auch rothe Rübe, hat grünlich-rothe Blätter und eine durch und durch blutrothe, ziemlich starke Wurzel, die, abgekocht und gescheibelt, mit Essig und Gewürzen angemacht und als Salat zum Fleisch verspeist wird. Beide Haupt-Spielarten des Mangold waren den alten Griechen und Römern wohlbekannt. In Deutschland treten sie zur Zeit Karls des Großen auf, nach England aber gelangten sie erst 1570. In neuerer Zeit haben sie sehr an Beliebtheit eingebüßt, namentlich der Gartenmangold, der auf der guten Tafel nirgends mehr geduldet wird.