Cardone, Karde, spanische oder Kardun-Artischocke. In Südspanien, wo sie ab und zu wild wächst werden die Stengel bündelweis wie Spargel zu Markte gebracht. Sie scheint aus Nordafrika zu stammen und schon den Römern (nicht aber den Griechen) bekannt gewesen zu sein, gelangte indessen erst spät nach Mitteleuropa, da Clusius, nach dessen Bericht sie damals in Spanien roh zum Fleisch genossen wurde, erst 1564 den ersten Samen nach Flandern schickte und die deutschen Kräuterbücher ihrer erst im 17. Jahrhundert gedenken. Die Cardone ist die Stammpflanze der Artischocke, erfreut sich aber nicht allenthalben derselben Gunst wie ihre schönere Tochter. Sie wird in Griechenland gar nicht, in Oesterreich und Deutschland nur gelegentlich, in England und Italien schon häufiger, in größerm Maßstabe jedoch nur in Frankreich und in Spanien cultivirt, von wo aus sie auch nach Südamerika gelangte, dort verwilderte und ihrer Stacheln wegen zu einem äußerst lästigen Unkraut geworden ist — wohl das einzige Beispiel, daß eine Nutzpflanze sich in einen gefürchteten Schädling verwandelt hat. Man benutzt die Cardone im Wesentlichen wie die Artischocke — doch mit dem Unterschiede, daß nicht die Blütenköpfe, sondern die fleischigen Stengel und die Rippen der dornigen Blätter zur Verwendung kommen. Gut zubereitet, ist sie nicht blos (von der äußern Erscheinung abgesehen) der Artischocke vollkommen ebenbürtig, sondern verdient als Gemüse wegen ihres kräftigern Geschmacks sogar den Vorzug vor derselben. Mit gutem Grunde nennt deshalb Grimod de la Reynière (1758 —1837), der Aristoteles der Küche, wie Brillat-Savarin ihr Cartesius und Rumohr ihr Leibniz ist, eine Schüssel Cardonen mit Fleischbrühe oder Knochenmark „das Nec plus ultra unter den Gemüsen“ — nur ist dies Gericht ein achtes Weltwunder, das nicht jedem vor den Schnabel kommt, der da möchte.