Muscatnüsse heißen die eiförmigen, netzartig gefurchten und inwendig marmorirten, braunen, steinharten Samenkerne des Muscatnußbaums, der auf den Molukken, besonders auf der Bandagruppe heimisch ist, und dessen Geschichte daher mit der des Gewürznelkenbaums zusammenfällt — doch mit dem Unterschiede, daß die Verpflanzung nach Bourbon, Mauritius, Madagaskar und Westindien keinen rechten Erfolg gehabt hat und daher noch immer die drei Bandainseln Lontar, Neira und Ai den Hauptsitz der Muscatnußcultur bilden. Die Frucht des Baumes ist eine wallnußgroße, fleischige Beere, in der, von einer purpurrothen Samenhülle umgeben, die Nuß steckt, und bildet in Zucker eingemacht eine ungemein würzige und schmackhafte Conserve, die aber nur selten nach Europa kommt. Die purpurrothe, hautartige, vielfach zerschlitzte Samenhülle wird beim Trocknen safrangelb und liefert die Muscatblüthe (span. Macis) des Handels, die als vorzügliches Küchengewürz dient. Die Nuß wird gleichfalls getrocknet, zum Schutze gegen Wurmfraß wiederholt in Kalkwasser getaucht, wobei sich Kalk in den netzartigen Furchen absetzt und ihr ein weiß bestäubtes Ansehen gibt, und unzerkleinert nach Europa verschickt, wo das Reibeisen sie für den Gebrauch in Pulver verwandelt. Ihr Geschmack ist ein ölig aromatischer, bei weitem nicht so scharf und beißend wie der des Pfeffers, und geriebene Muscatnuß daher besonders für feine Suppen und Mehlspeisen geeignet, deren zarter Geschmack unter der Pfefferwürze leiden würde. Die werthvollen Bestandtheile der Nuß sind Fett und namentlich ätherisches Oel, an welchem die Macis sogar noch reicher ist als die Nuß, so daß ihr Gebrauch in der feinen Bäckerei durchaus am Platze erscheint, wenn auch das noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts beliebte Muscatenbrot, in welchem neben Maeis und Muscatnuß auch noch Zimmt, Anis, Fenchel, Koriander und Gewürznelken eine Rolle spielten, mit Recht von der Tischfläche verschwunden ist. Ob Griechen und Römer die Muscatnuß kannten, läßt sich nach dem bisher darüber beigebrachten Material nicht entscheiden. Ausgemacht aber ist, daß sie der römischen Kochkunst fremd war, und daß erst die Araber sie in die abendländische Küche einführten, in der sie vom 15. bis Anfang des 19. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle spielte. Seitdem aber ist der Verbrauch so bedeutend zurückgegangen, daß Holland seit 1864 den Muscatnußbau auf Java völlig eingestellt hat. Nur die noch immer im Mittelalter steckende englische Küche bedient sich ihrer heute noch im weitesten Umfange, und ihr zunächst steht die deutsche, namentlich die norddeutsche, mit einem Jahresverbrauch von 2500—3000 Macis und Nüssen, während der Kaiserstaat jährlich mit 500—600 g auskommt. Vgl. Nelkenpfeffer.