Rehe, Capretus, chevreüil, Eine Gattung wilder Geise oder Ziegen, hat ein falbes straubes Haar auf dem Rücken, an den Seiten mit weissen Flecken, wenn es jung ist. Jm Octobr. geht es in die Brunst, da dann der Rehebock nur eine Geis bey sich hat, die sich allezeit zusammen halten, bis die Zeit kommt, da sie sich setzen solle, alsdenn begiebt sie sich ziemlich seitwerts ab, aus Furcht, daß der Bock die Jungen umbringen möchte, so lange bis die Jungen selber fressen können, alsdenn kommt sie wieder zu dem Rehebock. Jm May bringet sie gemeiniglich 2 Junge, ein Böcklein und ein Geislein, diese bleiben hernach meistens beysammen. Das Männlein hat einen stärckern Fuß, und rundere Ballen, als das Weiblein, welches eine hohle und auswerts gewendete Spur hat, daraus die Jäger solche unterscheiden. Sie werden sowol mit Windspielen gehetzt, als auch im Herbst mit Netzen gefangen, die um etliche Spiegel höher seyn müssen, als die Hasen-Garne, damit sie nicht über dieselbe springen, weil sie ein leichtes und hurtiges Thier ist. Wenn der Rehbock ein Jahr alt ist, setzet er sein Gehörne mit 2 Spitzen, wie die Hirsche; im zweyten und dritten Jahre aber 4 Enden, bey welcher Zahl es verbleibet; wiewol man Rehbocks-Gehörne von 8 und mehr Enden angetroffen hat. Er wirfft dasselbe im November ab, im Januario oder Hornung ist es verecket, und fängt er im Mertz an zu schlagen. Der Rehbock läufft zwar im August aufs Blat, als zu welcher Zeit er nach der Stimme des Rehes gehet, welcher Ruf dergestalt lautet, als ob man auf einem Blat einen gleichstimmigen Pfiff thäte; daher auch die alten Jäger gemeinet, als ob er zu solcher Zeit brunffte, wie dann auch das vielfältige Jagen es einen fast solte glauben machen: Allein es ist dieses Jagen vielmehr eine wilde Geilheit, welche der Bock mit den schmalen Rehen beginnet, nicht aber mit den alten Rehen, massen dieselben zu solcher Zeit noch die Jungen bey sich führen und sie saugen. Die Ricke läufft auch aufs Blat, aber nicht ehe, als wenn sie ihre Jungen hat, und dieselben von ihr abgegangen sind. Jm Nov. und Dec. läufft der Bock aufs Blat, als in seiner wahren Brunst-Zeit. Die Rehe werden an vielen Orten zur niedern Jagd, in Sachsen aber zur mitlern Jagd gerechnet. Das Reh-Wildpret ist zart, vor anderm Wildpret wohlschmeckend, und sehr gesund. Die gemeinsten Weidemännischen Redens-Arten vom Rehe sind folgende: Das Männlein nennet man einen Rehe-Bock, und das Weiblein eine Geis oder Ricke. Die Jungen heißt man Rehe-Kätzlein oder Rehe-Kälber; Die Rehe setzen, sie gehen aufs Gras, das ist, Weide, das Rehe schreyet, springet, wird gehetzt, fällt ins Garn, wird gefangen, genickt, oder man giebt ihm ein Genick-Fang mit dem Fang-Messer (nicht gestochen); hat ein Fell (keine Haut); wird zerwircket; des Rehes Schweiß dienet gut zu einem Pfeffer; ein Schlägel von einem Rehe ist der Hinterlauff, ein Bug ist der Vordertheil, ein Ende wird die Spitze von einem Rehbocks Gehörn genennet: Schlagen, sagt man, wenn ein Rehebock das rauhe Häutgen von dem Gehörne abschläget; Zerwircken, heist das Fell abziehen.