Paprika, der ungarische Name der Beißbeere, ist seit 1866 auf Flügeln des Gulyas in das Schriftdeutsch eingedrungen und hat sehr zum Vortheil der Gemeinverständlichkeit die ehemaligen verwirrenden Bezeichnungen spanischer, türkischer, indischer, rother oder langer Pfeffer, Negerpfeffer, Guineapfeffer, Vogelpfeffer, brasilianischer Kirschenpfeffer, Schoten-, Taschen- oder Kappenpfeffer, Quittenpfeffer etc. in den Ruhestand versetzt und in die Rumpelkammer getrieben. Klassisch sind heute nur noch die beiden Namen Paprika und Cayennepfeffer, unter welchem letztern das gepulverte Gewürz zuerst um 1835 Eingang in die deutsche Küche fand, in der es aber noch 1852 durchaus zu den Raritäten gehörte. Die Paprikamutter, die Beißbeere, eine Angehörige der helden- und verbrecherreichen Familie der Röhrenblütler, ist ein strauchartiges Kraut Südamerikas, das, schon 1536 von Jean Ruelle erwähnt, zuerst von Nicolao Monardes (gest. 1578) genauer beschrieben wurde, über dessen Verpflanzung in die alte Welt indessen keine Nachrichten vorliegen. Die Beißbeere wird jetzt in einigen dreißig Spielarten in allen warmen und heißen Ländern, in Europa namentlich in Spanien, Südfrankreich, Italien, Südungarn und Griechenland, sowie in Südrußland, im Großen eultivirt, doch fehlen bisher auch über die Verbreitung und den Stand dieser Cultur nähere und zuverlässige Angaben. Die Frucht der vorzugsweise gezogenen langen Beißbeere ist eine kegel- oder walzenförmig grüne, bei der Reife sich rothgelb oder scharlachroth färbende Beere von 6—10 em Länge und 2½—3 em Durchmesser, die eine große Anzahl kleiner, flacher, gelbweißer Samen enthält. Diese Samen haben einen schwachen Würzgeruch, die ganze getrocknete Schote dagegen ist geruchlos, entwickelt aber beim Zerkleinern oder Kauen einen fast unerträglichen stechend scharfen, brennendheißen Geschmack, der weder für den Gaumen noch für den Magen ein Labsal ist. Aus diesem Grunde wird der Paprika vielfach nicht aus dem Samen mit anhangenden Schotentheilen allein hergestellt, sondern die Frucht vor dem Pulverisiren in Mehlteig verbacken, so daß das lichtrothe Pulver bisweilen auf 14—15 Gewichtstheile Mehl nur Theil Beißbeere enthält. In dieser Form bildet der Paprika in Ungarn Nationalgewürz, das bei allen möglichen und unmöglichen Gerichten zur Verwendung kommt, desgleichen in Wien als Rosen-Paprika in höchstem Ansehen steht und in England einen unerläßlichen Bestandtheil des Mischmasch ausmacht. Außerdem werden die unreifen grünen Schoten entweder roh mit Tomaten- und Gurkenscheiben vermengt und mit Essig und Oel angemacht oder in Oel geschmort und mit Essig übergossen als Salat verzehrt. Auch kommen sie, in Essig eingelegt, unter dem Namen Peperoni oder Pfefferoni, wie die reifen Schoten in derselben Gestalt unter dem Namen Piments rouges als eine Art Pickles in den Handel. Daß der Paprika in mäßigen Dosen den Appetit reizt und die Verdauung fördert, leidet keinen Zweifel, indessen Der kluge Mann hält sich zurück Und streift im Fluge nur das Glück, Es gänzlich zu erschöpfen, Ziemt nur den hohlen Köpfen. Lausevits und Stojkovits in Szegedin und Robert Schlesinger in Wien exportiren guten Paprika.