Aalraupen, Mustela fluviatilis, Lamproye de riviere. Aalraupen sind Fische, denen nicht alle Leute günstig. Ich habe in meiner Jugend eine gantze Familie gekannt, welche diese Fische, weil sie ihrer Meynung nach so garstig aussehen, nicht essen mochte. Ob dieses eine Eigensinnigkeit oder sonst was gewesen, kan ich nicht wissen. Gleichwohl aber wenn ich des alten D. Adami Loniceri Beschreibung derselben erwege, muß ich gedachte Familie etlicher massen entschuldigen. Er hat in dem letzten Theil seines Kräuter-Buchs p. 351. b. folgendes gesetzet. Aalraupen, bey denen Sachsen Qvapsisch, Latine, Mustela piscis, hat eine glatte Haut, wie ein Aal, einen Kopff, wie eine Krotte. (Kröte) Sein Magen mit dem Schlund hat etliche Federn, deren jede siehet wie ein Frosch-oder Krotten-Fuß oder Hand, wird genennet Quappenfutt, und Qvap-Hände; daher haben die Sachsen ein Sprichwort:
Es war ein Qvapp noch nie so gut, Sie hat in sich ein Pattenfutt.
Das ist ein Frosch-Fuß. Denn ein Frosch heist bey ihnen ein Patt etc. Diese Beschreibung dürffte wohl manchem einen Eckel verursachen. Jedoch überlege ich anderer Thiere seltsame Gestalt, als der Aale, die wie Schlangen aussehen, der Krebse, Schnecken etc. welche dennoch mit den grösten Appetit genossen werden, fält diese Einbildung von sich selbst weg. Die Liebhaber der Aalraupen lassen sich dardurch gar nicht abschrecken, zumahl da ihnen das süsse Fleisch, und die süssen Lebern dieser Fische gar wohl anstehen, welche noch über die Hecht-Lebern seyn sollen. Sie werden in der Küche auf vielerley Art zugerichtet: 1) mit durchgestrichenen Erbßen. 2) mit einer Erbß-Brühe. 3) Mit einer Butter-Brüh. 4) Mit Butter-Brüh auf eine andere Art. 5) mit einer Kirsch-Brüh. 6) In Sauer-Kraut. 7) In Sauer-Kraut auf eine andere Art. 8) Auf Polnisch. 9) Mit sauern Limonen. 10) Gebraten oder gebacken mit Baumöhl-Brühe. 11) in einer Citronen-Sosse. 12) Mit Oel marinirt. 13) Aalraupen-Lebern als Gänse Lebern.