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PflanzenreichFrauenzimmer-Lexicon 1715

Wein, Vinum, Vin, ist das edle Gewächs, das durch GOttes Segen aus der Erde kömmt, des Menschen Hertz zu erfreuen. Es wird aber von einem guten Wein erfodert COS, das ist: er soll haben Colorem, eine schöne helle Farbe, Odorem, einen guten Geruch, und Saporem, einen annehmlichen Geschmack. Andere wollen ihn nach allen 5. Sinnen probiren und sagen: ein guter Wein müsse erkannt werden COSTA, nehmlich: Colore, Odore, Sapore, Tactu & Auditu. Das ist: Ein guter Wein müsse von schöner Farbe, guten Geruch, und annehmlichen Geschmack seyn, auch beym Einschencken frisch daher rauschen. Sonst giebt es der Weine sehr vielerley Arten. Plinius hat schon zu seiner Zeit, deren 195. Geschlechter gezehlet, und würde man ihrer heut zu Tage weit mehr zusammen bringen, wenn man solche nach denen Landschafften, Art der Trauben, dem Geschmack, Erfindern, Würckungen etc. betrachten wolte, so ich aber ietzo billich übergehe, und curiense Leute ohnedem in weitläufftigen Wein- und Reise-Beschreibungen hiervon sattsam Nachricht finden werden. Nur melde ich dieses, daß diejenigen Essen, welche der Koch mit Wein bereitet, desto annehmlicher seyn, und kömmt selbiger nicht nur an gute Brühen, sondern es brauchet auch der Koch öffters die unreiffen Weinbeeren, welches beym Hecht und andern Orten wird zu sehen seyn. So viel ist hierbey anzumercken, daß die gemachten und geschmierten Weine an die Essen nicht dienen, weil sie bey dem Küchenfeuer die Probe nicht aushalten.

Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 2109–2111Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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