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ReligionBrockhaus 1882

Heilige Familie heißt in der Kunstgeschichte die Darstellung des Christuskindes und seiner An-Aaltewen Das frühere Mittelalter, dessen erster unstzweck die Erweckung der Andacht war, begnügte sich meist mit der Madonna und dem Kinde. Erst als ein episches Interesse in die Kunst eindrang, erweiterte sich der Kreis der Heiligen Familie auch auf Joseph, Elisabeth, die heil. Anna (die Mutter der Maria) und Johannes den Täufer. Am ausgedehntesten haben manche altdeutsche Maler die Heilige Familie aufgefaßt, indem sie auch die zwölf Apostel als Kinder und Jugendgespielen Christi samt den Müttern, welche ihnen die Legende . hinzufügten (die sog. Heilige n Sime ie ital. Schule hat in ihrem großartigen Sinne für Inhalt und Komposition der Gruppe zuerst erkannt, wie viele Figuren dieselbe enthalten kann, wenn das Interesse ein ungeteiltes bleiben und auf einer Figur, sei es die Madonna oder das Kind, sich konzentrieren soll. Zwei Maler beherrschen diesen Kreis von Darstellungen auf das vorzüglichste: Leonardo da Vinci und Rafael. Ersterer hat den Joseph meist weggelassen, aber die heil. Anna und den kleinen Johannes mit seinem Lamm oder auch Engelsfiguren beigegeben und so den Gegensatz zur hö sten Anmut und Lieblichkeit nicht in eine kräftige Mannsgestalt, sondern etwa in den dunkeln landschaftlichen Grund verlegt, wie z. B. in der Vierge aux rochers und in der Vierge aux balances. Völlig weltlich, aber von der größten Lieblichkeit ist seine heil. Anna, auf deren Schos Maria sitzt, das schalkhaft sich umwendende Kind fassend. Solche Darstellungen heißen Metterzidà (Selbdritt). Rafael hat vielleicht die reichste Abstufung. Auf der Grenze des bloßen Madonnabildes stehen seine Belle Jardinière und die Madonna del cardellino, wo außer Maria nur die beiden Kinder Christus und Johannes dargestellt sind. Dann folgt die Heilige Familie in der münchener Pinakothek, die als der Haupttypus der Gattung gelten mag und in symmetrisch-dreieckiger Gruppe die beiden Kinder, von ihren halb sitzenden, halb knienden Müttern gehalten, und darüber den auf einen Stab gestützten 0 darstellt. Endlich hat Rafael in der großen Madonna Franz' I. (im Louvre) in völlig freier Auffassung vielleicht das Höchste in diesem Darstellungskreise geleistet. Es ist charakteristisch für die mittelalterliche Auffassung der Maria, daß Joseph immer als betagter Mann neben der jugendlichen Schönheit der Maria auftritt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 30Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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