FeedHeinrich VII.
GeschichteBrockhaus 1882

Heinrich VII., röm.⸗deutscher Kaiser, 1308 —13, ein Sohn des Grafen Heinrich II. von Luxemburg, geb. 1262, wurde nach dem Tode Albrechts I. und nach einer Zwischenregierung von sieben Monaten 27. Nov. 1308 zum König erwählt. Seine Wahl hatte er nächst dem Rufe ritterlicher Tugenden der Unbedeutendheit seiner Hausmacht und besonders dem Einflusse seines Bruders Balduin, Erzbischofs von Trier, und des Erzbischofs von Mainz, Peter, zu verdanken. Einen festen Rückhalt im Reiche gewährte ihm erst die Unzufriedenheit der Böhmen mit Heinrich von Kärnten; gleich nach seiner Wahl entsetzte er diesen, welcher keine Belehnung nachsuchte, und übertrug auf den Wunsch der Böhmen die Krone mit der Hand von Wenzels II. Tochter, Elisabeth, auf seinen Sohn Johann. ù kluge Benutzung der Umstände verschaffte er si hierzu die Einwilligung der österr. Fürsten, welche gerechte Ansprüche auf dieses Land hatten. Hierauf erklärte er die Mörder des Königs Albrecht I. wie auch den Grafen Eberhard von Württemberg in die Acht, zog alsdann mit Heeresmacht in das durch die Kämpfe der Ghibellinen und Guelfen zerrissene Italien und suchte hier Ruhe und Frieden herzustellen. Da er aber keine Partei auszeichnete und um Solde seiner Truppen sehr bald Abgaben forern mußte, wurden die lombard. Städte seiner überdrüssig und vereinigten sich zum Aufruhr, den er nur mit Mühe zu dämpfen vermochte. Während Deutschland durch die wilden Fehden Waldemars von Brandenburg mit Friedrich dem Gebissenen und Eberhards von Württemberg mit den Städten verwüstet wurde, eilte H. nach Rom und ließ, wie das Jahr zuvor zu Mailand die Eiserne, so hier 29. Juni 1312 die Kaiserkrone sich aufs Haupt setzen. Von Rom aber hatte er nur einen Teil erobern können, da König Robert von Neapel, auf die Aushreitung der Macht H.s in Italien eifersüchtig, den andern Teil mit einem überlegenen Heere besetzt hielt. Zugleich umgaben andere feindliche Heerhaufen von allen Seiten die Stadt. In dieser schwierigen Lage stellte er sich entschieden auf die Seite der Ghibellinen, und da ihm viele mächtige Städte Truppen sandten und der König von Sicilien ein Bündnis mit ihm schloß, erklärte er trotz der Drohungen des Papstes den König Robert in die Acht und schickte sich an, Neapel zu erobern, als ihn zu Buonconvento bei Siena 24. Aug. 1313 ein schneller Tod hinwegraffte. Die Vergiftung durch einen Dominikanermönch beim Abendmahl mittels einer Hostie wird ber von vielen Chronisten berichtet, scheint aber doch unbegründet zu sein. Außer seinem Sohn Johann hinterließ er zwei öchter, von denen die eine, Beatrix, an den König Karl Robert von Ungarn, die andere an König Karl IV. von Frankreich vermählt war. Ihm folgte in der Kaiserwürde Ludwig IV. oder der Bayer mit dem Gegenkönig Herzog Friedrich von Osterreich. Vgl. Barthold, »Der Römerzug König H.s von Lützelburg (2 Bde., Königsb. 1830 —31); Dön-Heinrich II. (König von Frankreich) niges, Acta Henrici VII.v (2 Bde., Berl. 1840— 41); derselbe, Geschichte des deutschen Kaiserreichs im 14. Jahrh.» (Berl. 1841); J. E. Kopp, „Geschichte der eidgenössischen Bündes (Bd. 4, Abteil. 1: „H. VII. als König und Kaiser und seine Zeitv, Luzern 1853 -54); Thomas, Zur Königswahl des Grafen Heinrich von Luxemburg im J. 1308 v (Straßb. 1875); Pöhlmann, Der Römerzug Kaiser H.8 VII.» (Nürnb. 1875); (Die Romfahrt Kaiser H.8 VII., ein Bildercyklus des Cod. Balduini Trevir. Mit erläuterndem Text von G. Irmerv (Berl. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 50Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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