Heinrich, lat. Kaiser von Konstantinopel, Graf von Flandern und Hennegau, wurde, als sein Bruder Balduin I., der erste der lat. Kaiser, 14. April 1205 in der Schlacht bei Adrianopel von den Bulgaren gefangen und wohl bald hernach getötet wurde, von den Kreuzfahrern zum Kaiser erwählt und 20. Aug. 1206 gekrönt. Das lat. Kaisertum aber führte eine klägliche Existenz, da bald Mangel an Kreuzfahrern eintrat und die fränkischen Großen unbekümmert um den Kaiser ihrem Vorteile nachgingen. Die auf der kleinasiatischen Küste besetzten Striche gingen schon 1207 verloren. Nicht unwichtig aber war es, daß H. eine Tochter des gefährlichsten Feindes, des Bulgarenkönigs Johann, zur Frau nahm. Er starb 1216 kinderlos und man wählte nun den Gemahl seiner Schwester Jolanthe von Namur, Peter von Courtenai, welcher aber auf dem Wege nach Konstantinopel 1217 in Epirus gefangen wurde und starb.