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HeilkundeBrockhaus 1882

Hermetischen Büchern eins der sechs medizinischen in dem sog. Papyrus-Ebers, dem „Buche über die Arzneimittels, erhalten ist, bleibt dahingestellt Aus dem Charakter der ägypt. Litteratur im all— gemeinen und aus dem besondern dieses einen Werks läßt sich schließen, daß die Hermetischen Bücher durchweg mystisch gefärbt und mit magischem Beiwerk versehen waren. Ähnliche Eigentümlich— keiten haften einer apokryphen Litteratur an, welche nach dem Erlöschen der Hieroglyphenkunde aus dem Widerstreit griech., jüd. und ägypt. Ideen in Alexandrien hervorging, und aus der sich unter dem Namen des H. eine Anzahl von philos. Traktaten teils in griech., teils in lat. und arab. Sprache erhalten hat. Diese Hermetischen Schriften sind meist Dialoge zwischen H. und seinem angeblichen Sohn Tat oder seinem Schüler Asklepios, andere sind an den König Ammon gerichtet; unendlich subtil, nicht selten dithyrambisch und oftmals dunkel, handeln sie über Gott und die Seele, über die Welt und die Intelligenz, über die Weisheit und die Tugend, über das Gute, Schöne und Wahre, über Zeit und Ewigkeit. Sie enthalten nichtgriech. Philosophie, obwohl sie an neuplatonische Ideen anknüpfen; auch sind sie 2 jüdisch, obwohl sie den Einfluß der Schriften Philos nicht verleugnen können; noch weniger sind sie (wie sich nun jetzt beurteilen läßt) der Ausdruck ägypt. Philosophie, wennschon hier und dort sich Ideen finden mögen, die an das «Totenbuch » erinnern. Wohl liegt ihnen eine ägypt. Mythologie zu Grunde, aber dieselbe wird uns in diesem trüben Lichte theosophischer Spekulation nicht deutlicher. Die Hermetischen Bücher gehören Agypten an, aber dem stark hellenisierten, in dem bereits christl. Betrachtungsweise Eingang gefunden hatte. Sie sind die letzten Denkmäler des Heidentums. Der Text dieser Schriften in griech. und lat. Sprache ist sehr mangelhaft überliefert, zum Teil nur in Bruchstücken bei Stobäus, Cyrillus, Suidas und Lactantius. Die hauptsächlichsten derselben gab Parthey heraus (Hermetis Trismegisti Poëémandero, Berl. 1854), indem er den Titel nach dem ersten Traktat «Ilol1νdpoes wählte. Eine ältere Ausgabe ist die des Patrizzi (&Nova de universis philosophia o, Vened. 1593). Den Pömander übersetzte Tiedemann (Berl. 1781); die meisten Stücke vereinigte die franz. übersetzung von L. Menard (Hermés Trismégisteo, Par. 1866). Vermutlich gehört die Mehrzahl dieser Schriften in das 2. Jahrh.; die Definitionen des Asklepios sind nicht älter als das Zeitalter Konstantins; der oder die Verfasser sind ganz unbekannt; der nur lateinisch erhaltene Asclepius wurde irrtümlich dem Apulejus beigelegt. Den Umfang und die Mannigfaltigkeit dieser ganzen Litteratur kann man aus der Bemerkung des Jamblichus ahnen, wonach es an 20000 Hermetische Bucher gegeben hat. Der Einfluß derselben dauerte bis ins Mittelalter, und man gab vor, daß diese mystische Weisheit durch die Hermetische Kette aus alten Zeiten überliefert sei. Besonders scheint sie unter den Arabern gepflegt zu sein; sie schreiben dem Trismegist eine Unzahl von Schriften Iu. namentlich über die Steine, die Alchemie, die Medizin, die Astrologie, über Talismane und Amulette und selbst über die Schriftarten und allerlei Geheimnisse. Einzelne dieser Bücher, deren der Fihrist, eine alte arab, Litteraturgeschichte, viele aufführt, sind noch erhalten; einen theosophischascetischen Traktat eines christl. Verfassers, An die menschliche Seeles, gaben Fleischer (Lpz. 1870) und Bordenhewer (Bonn 1873) mit übersetzung heraus. Vgl. Pietschmann, «Hermes Trismegistoso (Opz. 1875). Gegen Ende des Mittelalters kam die Richtung wieder zu besondern Ehren; die Hermetische Medizin des Paracelsus steht unter ihrem Einflusse; ebenso die Hermetische Freimaurerei; Schwärmer heißen schlechthin Hermetiker. Alle Geheimnisse der Magie führte man auf H. zurück; durch magische Siegel konnte er angeblich Schätze und Gefäße unzugänglich machen; daher nennt man noch jetzt hermetisch verschlossen etwas so vollkommen Verschlossenes, daß keine Luft hinzutreten kann.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 149Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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