Hermes (Georg), kath. Theolog, geb. 22. April 1775 zu Dreierwalde in Westfalen, studierte zu Münster, ward 1798 Lehrer am Paulinischen Gymnasium zu Münster, 1799 Priester, 1807 Professor der Theologie an der Akademie zu Münster, 1819 an der Universität zu Bonn, wo er 26. Mai 1831 starb. Als akademischer Lehrer gewann H. einen weitgehenden Einfluß; außerdem wurde er vom Erzbischof von Köln, dem Grafen Spiegel, entschieden begünstigt, sodaß seine Schüler (die Hermesianer) nicht bloß unter der Geistlichkeit Rheinlands und Westfalens sehr zahlreich waren, sondern auch die theol. Fakultät zu Bonn und die Seminare der Bischöfe von Kulm, Trier und Ermeland beherrschten. Ihr Organ war die ⸗Zeitschrift für Theologie und Philosophies (seit 1832). Das philosoph.⸗theolog. System von H. (der Hermesianismus) ist beeinflußt durch die Kant-Fichtesche Philosophie und versucht dem absoluten Zweifel zu entgehen durch Begründung eines reinen Vernunftglaubens, welcher inhaltlich mit den Lehren der kath. Kirche völlig übereinstimmt. In der «Philos. Einleitung in die christkath. Theologies (Münst. 1819; 2. Aufl. 1831) kommt H. zu dem Schluß, die Vernunft führe zu der Überzeugung, nicht bloß daß Gott existiert, sondern auch, daß er sich übernatürlich offenbaren kann. Diese übernatürliche göttliche Offenbarung findet dann die «Positive Einleitung in die christkath. Theologies (Münst. 1829) niedergelegt in den biblischen Büchern, in der mündlichen Tradition und in dem geordneten Lehramt der Kirche. Daher kann denn auch die Christkath. Dogmatiks (herausg. von Achterfeld, 3 Tle., Münst. 1834 -36) das ganze System der kath. Lehre als Wahrheit hinstellen, ohne irgendwie Kritik zu üben. Dennoch mußte diese Lehre Anstoß erregen, war doch die Wahrheit der göttlichen Offenbarung durch Vernunftgründe gestützt und damit das kath. Autoritätsprinzip aufgegeben. Schon zu H.“ Lebzeiten trat sein Kollege Windischmann gegen ihn auf; 26. Sept. 1835 erschien ein päpstliches Breve, welches die Lehre des H. als ketzerisch verdammte. Der neue Erzbischof von Köln, Droste-Vischering, schritt jetzt überall gegen die Hermesianer ein. Diese erklärten, die im päpstl. Breve verdammten Sätze erkennten auch sie als ketzerisch an, aber H. lehre diese Sätze nicht. Um den Papst davon zu überzeugen, reisten die Professoren Braun und Elvenich 1837 nach Rom, kehrten aber unverrichteter Sache nach Deutschland zurück. Hier war in wenigen Jahren die ganze Richtung des Hermesianismus gewaltsam unterdrückt. Vgl. Braun und Elvenich, Meletemata theologicae (Bonn 1837) und Acta Romanay (Hannov. 1838); Bernhardi, Laokoon, oder H. und Perrones (Köln 1840); Stupp, Die letzten Hermesianer » (5 Hefte, Wiesb. u. Köln 1844—45); Elvenich, Pius IX., die Hermesianer und der 1 1359 von Geissels (Bresl. 18489.