FeedHeu (lat.)
NaturlehreBrockhaus 1882

Heu (lat.), Ausruf des Schmerzes: ach! wehel H. me misèrum, ach ich Unglücklicher! Heu nennt man im engern Sinne das getrocknete Wiesengras des ersten Schnittes, zum Unterschied von Grummet (s. d.), welches aus dem zweiten, beziehentlich dritten Schnitte gewonnen wird; im weitern Sinne gehört zum H. der getrocknete erste Schnitt aller Futterpflanzen, des Klees, der Luzerne, Esparsette u. s. w. Der Futterwert des ĩH. ist ein sehr verschiedener, im allgemeinen bedingt durch die Zusammensetzung des H., durch den Gehalt an Protein, Fett, Rohfaser u. s. w. Je mehr das H. von dem erstern enthält, um so nahrhafter ist dasselbe im Durchschnitt; je höher der Gehalt an Rohfaser, um so geringer ist der Nährwert. Die Zusammensetzung des Wiesen⸗ und des Kleeheus bewegt sich innerhalb folgender Grenzen: Wassenrr 27,½— 9,8 Proz. 26,9—17,8 Proz. Stickstofffreie Da von dem Rohprotein des H. nur ein Teil wirklich verdaulich, so ist, abgesehen von dem Gehalt an Rohprotein, auch der Verdauungskoeffizient dieses Stoffs wie der übrigen Nährstoffe für den Nährwert des H. bestimmend. So schwankt die Verdaulichkeit des Rohproteins beim Wiesenheu zwischen 39 und 72 Proz., beim Kleeheu zwischen 43 und 76 Proz. Je mehr Protein das H. besitzt, um so größer ist auch in der Regel die Verdaulichkeit dieses und aller übrigen Stoffe. Der Nährwert des H. wird aber noch von andern Verhältnissen beeinflußt; stammt dasselbe von nassen, moorigen und sumpfigen Wiesen, so besteht es zum größten Teile aus wertlosen Gräsern (Juncaceen und Cyperaceen); ist es dagegen auf künstlich bewässerten, beziehentlich trocken gelegenen Wiesen gewachsen, so besteht es aus süßen und nahrhaften Gräsern (Gramineen). Beim H. der Futterpflanzen kommt namentlich der Boden und der Düngungszustand in Betracht; je kräftiger beide, um so besser auch das H. Bei sämtlichen Heuarten spielt ferner das Wetter während der Vegetationszeit, der Zeitpunkt, zu welchem das Einschneiden erfolgte, sowie schließlich das Wetter während der Ernte eine wichtige Rolle. Die größte Menge von verdaulichen Nährstoffen erhält man in der Regel, wenn das zutter in der Blüte gemäht wird, da bei späterm bbringen die Gesamtmasse allerdings eine größere, der Verdaulichkeitsgrad dagegen erheblich niedriger ist. Je günstiger sich das Wetter während der Ernte gestaltet, um so mehr werden die im H. enthaltenen Nährstoffe konserviert, wogegen dieselben durch Regen zum Auswaschen gelangen und verloren gehen. Das Schneiden des Grases, beziehentlich der Futterpflanzen erfolgt mit der Sense oder der Mähemaschine. über das Trocknen der grünen Massen s. unter Ernte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 201Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Naturlehre 6