Hirse ist eine einjährige, zur Familie der Gramineen, zur Gattung Fennich (Panicum) gehörende Getreideart. Man baut die einzelnen Arten der H. teils der Körner, teils der Futtergewinnung wegen; es sind dies namentlich lolgenve: die gemeine oder Rispenhirse (Panicum miliaceum, s. Tafel: Getreidearten, Fig. 20), die Klumphirse (P. mil. var. contractum), die Bluthirse (E. sanguinale), die große Kolben⸗ oder Borstenhirse (Setaria italica) und die kleine Kolbenhirse oder der Mohar (S. germanica, s. Tafel: Getreidearten, Fig. 21). Wüährend die erstgenannten namentlich der Körner wegen kultiviert werden, besteht die Nutzung des Mohars namentlich in der Futtergewinnung. Im mittlern Europa wird die ispenhirse, von welcher es eine große Zahl sich durch die Farbe der Samen unterscheidender Varietäten gibt, in größerm Umfange angebaut als die Kolbenhirse, da die letztere empfindlicher gegen Frühjahrsfröste ist und höherer Temperatur während der Vegetation bedarf als die erstere. Für das Gedeihen der H., deren erfolgreiche Kultur nur innerhalb des Gebietes des Mais⸗ und Weinbaues möglich, ist ein warmes, trockenes Klima, sowie ein sandiger oder sandig-lehmiger Boden in warmer Lage besonders günstig. Da die H. große Trockenheit verträgt, so ist sie besonders für das östliche, beziehungsweise kontinentale Europa geeignet und wird deshalb namentlich in Osterreich-Ungarn und dem östl. Mitteldeutschland angebaut. Der Acker muß möglichst unkrautfrei sein und auch während der Vegetation der H. ebenso gehalten werden; frische Düngung sagt der H. weniger zu als alte Kraft. Die Saat erfolgt am besten mittels der Drillmaschine, und zwar Anfang bis Mitte Mai, zu einer Zeit, in welcher Nachtfröste nicht mehr zu befürchten sind. Die Ernte wird, je nach der höhern oder niedrigern Temperatur des Sommers, Ende August oder September vorgenom. men, und beläuft sich der —55 auf 15 — 30 hl Samen im Gewicht von 65 —75 Kg pro Hektoliter und auf 1—2000 kg Stroh pro Hektar. Die Samen, welche 10—12 Proz. Eiweißstoffe, 3—4 Proz. Fett und 58 Proz. Stärke enthalten, werden entweder als Viehfutter im unenthülsten Zustande oder nach vorherigem Enthülsen als menschliches Nahrungsmittel in Form von Mehl, Graupen oder Grütze verwendet; das Stroh ist als Viehfutter wertvoll. Von Pilzen, welche die H. heimsuchen, sind zu nennen: Ustilago destruens auf der Rispen⸗ und Ustilago Crameri auf der Kolbenhirse.