FeedHoleus L.
PflanzenreichBrockhaus 1882

Holeus L., Pflanzengattung aus der Familie der Gramineen, ausgezeichnet durch in dichte Rispen gestellte zweiblütige He deren untere Blüte fruchtbar und grannenlos, die obere männlich und begrannt ist. Zu ihr gehört das gemeine Honiggras oder Zuggras (II. lanatus L.), dessen bis 60 em hoch werdende Halme samt den Blättern und der Rispe mit einem dichten, kurzen, weichen Hanmte n v sind, welcher ihm eine weißlichblaugrüne Färbung verleiht. Daran kann das Honiggras schon vor dem Blühen sicher erkannt werden. Seine Ahrchen sind rötlichgelb bis rotbraun, selten (in schattigen Standorten) bleichgrün. Das Honiggras wächst auf allerhand Boden, am häufigsten jedoch auf moorigem Sandboden, und gedeiht am besten in feuchter Luft (3. B. in Küstengegenden). Über seinen Futterwert sind die Meinungen sehr geteilt. Manche Landwirte rühmen es wegen seiner Nahrhaftigkeit, während andere behaupten, das Vieh fräße es nicht nur nicht gern, sondern es nähre auch wenig. Der Name Honiggras kommt von dem starken Zuckergehalt her. Auf ihm Grder w Boden verdrängt es leicht alle übrigen Gräser, weshalb man es auf Wiesen nicht gern sieht. Die übrigen Arten von H. sind durch Europa und die Mittelmeerländer zerstreut. ö Holda, in der mitteldeutschen Volksüberlieferung Frau Holle, s. Hulda. Holde, soviel wie Grundholde. Holder, s. Holunder. Hölder (Jul. von), einer der Gründer und Führer der deutschen (nationalen) Partei in Württemberg, geb. 24. März 1819 zu Stuttgart, studierte auf der Universität Tübingen Staats⸗ und Rechtswissenschaften, wurde 1842 Aktuar beim Stadtgericht in Stuttgart, bald darauf Assessor beim Gerichtshof in Ellwangen und 1848 Regierungsrat in dem von dem Märzminister Duvernoy geleiteten Ministerium des Innern. Im Frühjahr 1849 wurde er vom Amte Stuttgart in die Zweite Kammer gewählt, wo er auf der rechten Seite der demokratis Liden stand. Unter dem reaktionären Ministerium inden, das im Juli 1850 die Geschäfte übernahm, wurde H. zum Mitgliede der Ablösungskommission ernannt, trat aber nach einigen Jahren aus dem Staatsdienste und ließ sich als Advokat in Stuttart nieder. Im J. 1855 als Kandidat für Be-Nbeim in den Landtag gewählt, vertrat er diesen Bezirk 12 Jahre lang. Bald nach Eröffnung des Landtags rief H. zu gemeinsamem Kampfe gegen die Reaktion eine Vereinigung aller freisinnigen Kammermitglieder ins Leben, welche den Namen Fortschrittspartei annahm. H. nahm hervorragenden Anteil an der Opposition gegen die klerikale Politik des Ministeriums, sowie an den deutschen Einheitsbestrebungen. Im J. 1864 traten H. und die übrigen Anhänger der nationalen Richtung aus dem Landeskomitee aus, in welchem die Demokraten das Wort führten. Die nationale Partei, welcher H. angehörte, stimmte 1866 gegen die Verwilligung der Mittel, welche die Regierung zur Teilnahme am Kriege gegen Preußen forderte, konstituierte sich nach dem Kriege als Deutsche Partei und wählte ein besonderes Landeskomitee, in welchem H. der Vorsitz übertragen wurde. Am Vorabend des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870und 1871 leitete H. in einer von ihm präsidierten Massenversammlung in Stuttgart die Agitation für die Beteiligung am Kampfe ein. H., seit 1868 vom Bezirk Göppingen in den Landtag gewählt, war in dieser Deutt als Berichterstatter thätig. In den ersten eutschen Reichstag als Vertreter des Wahlkreises Schorndorf-Welzheim-Göppingen-Gmünd gewählt, schloß er sich den Nationalliberalen an. Im J. 1874 trat er nicht als Kandidat für den Reichstag auf, nahm aber, als der Wahlbezirk Stuttgart bei der Ergänzungswahl vom 23. Sept. 1875 ihn zum Reichstagsabgeordneten wählte, die Wahl an und wurde von dem nämlichen Wahlbezirk 10. Jan. 1877 wiedergewählt. Er vertrat diesen Wahlbezirk im Reichstag bis Ende der Session im Frühjahr 1881. Im Landtag wurde er 31. Okt. 1872 zum Vizepräsidenten und 18. März 1875 (nach dem Tode des Präsidenten von Weber) zum Präsidenten gewählt. Bei den Neuwahlen zum Landtage 13. Dez. 1876 vom Bezirk Göppingen abermals gewählt wurde er auch von dem neugewählten Landtag auf den be 18800.- O berufen (8. Febr. 1877 und 5. Febr. 1880). Da er mit dem ablehnenden Votum der nationalliberalen Partei gegen das Zolltarifgesetz nicht einverstanden war und das gegen seinen Gesinnungsgenossen Völk von der Mehrheit der Partei beschlossene Bedauernsvotum mißbilligte, so trat er mit mehrern andern Mitgliedern aus der Fraktion aus und schloß sich der „Grüppe Völkv an. Am 18. Okt. 1881 wurde H. zum württemb. Minister des Innern ernannt, an Stelle des 13. Okt. verstorbenen Ministers Sick.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 331Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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