Hohenstaufen, ein deutsches Fürstengeschlecht, das auf den deutschen Kaiserthron gelangte, den es von 1138 bis 1254 besaß, und das 1268 mit Konradin in männlicher Linie erlosch. Der erste beglaubigte Ahnherr ist Friedrich von Büren, so genannt von dem nordwestlich in der Nähe des Hohenstaufen im Königreich Württemberg zwischen Gmünd und Göppingen gelegenen Dorfe Büren, jetzt Wäschenbeuren. Er lebte um die Mitte des 11. Jahrh. und vermehrte seinen Besitz durch die Vermählung mit der im Elsaß begüterten Hildegard. Sein Sohn Friedrich I. erbaute die Bur auf dem Staufen oder Hohenstaufen, nach welcher von nun an das Geschlecht genannt wurde. Er war ein treuer Anhänger Heinrichs IV. und erhielt von diesem 1079 das Herzogtum Schwaben und die Hand seiner einzigen Tochter Agnes. Berthold, der Sohn des Gegenkönigs Rudolf, und Berthold von Zähringen machten dem neuen Herzog den Besitz seines Herzogtums streitig, und erst nach langen, wechselvollen Kriegen wurde 1097 zu Mainz ein Friede geschlossen, in welchem Friedrich als Herzog von Schwaben anerkannt, zugleich aber für Berthold ein eigenes Herzogtum, Zähringen, gebildet wurde und auch Welf IV. für seine Besitzungen herzogl. Recht erhielt. Herzog Friedrich hinterließ bei seinem Tode 1105 zwei Söhne, Friedrich und Konrad. Der neue König Heinrich V., um sich die Ergebenheit des ihm durch Verwandtschaft verbundenen Hauses der H. zu sichern, bestätigte sogleich den ältesten Sohn, Friedrich II. oder den Einäugigen, als Gsen Brud Schwaben; auch belehnte er später dessen Bruder Konrad mit dem Herzogtum Franken. Dafür bewiesen ihm die Brüder, besonders Friedrich II., in dem Investiturstreit und in den Kämpfen mit dem Herzog Lothar von Sachsen treue Anhänglichkeit und Hilfe. Nach dem Tode Heinrichs V., des letzten fränk. Kaisers, vererbten dessen Hausgüter auf die H., und Friedrich schien ebenso wegen seiner vortrefflichen Eigenschaften wie durch die Verwandtschaft mit dem verstorbenen Kaiser und durch seine bedeutende Hausmacht die gerechtesten Ansprüche auf die deutsche Königskrone zu haben, um so mehr, da die allgemeine Stimmung des deutschen Volks für ihn war. Auch bewarb er sich offen darum. Allein die Furcht vor seiner Macht und der Haß ein⸗ .als Fürsten, meist aber die Ränke des Erzbischofs dalbert von Mainz, des Führers der hierarch. Partei, bewirkten, daß Lothar der Sachse, Friedrichs erbittertster Feind, zum König gewählt wurde. Die Zurückforderung der durch die Erbschaft an die H. gekommenen Besihungen seitens Lothars entzündete einen heftigen Krieg zwischen den 5 und dem Kaiser. Lothar, stark durch die Verbindung mit den Zähringern und mit dem Herzog 2achter dem Stolzen von Bayern, dem er seine ochter und das Herzogtum Sachsen gab, fiel über die H. her, in der Absicht, ihre Macht mit einem Schlage zu vernichten. Lange Zeit schwankte der Kampf,‚ 1127 nahm Konrad den Königsnamen an und 1128 wurde er vom Erzbischof von Mailand auch zum König von Italien gekrönt. Da er jedoch hier gegen die Welfen und den Papst sich nicht halten konnte und in Deutschland die Macht der Gegner täglich wuchs, so sahen die Brüder sich endlich 1135 genötigt, die Verzeihung des Kaisers zu erflehen, welche ihnen 1135 auf den Reichstagen zu Bamberg und zu Mülhausen gewährt wurde, worauf dann beide Brüder Lothar auf dessen Zuge nach Italien begleiteten. Nach Lothars Tode aber wurde der Herzog Konrad von Franken 22. Febr. 1138 als Konrad III. zum deutschen König gewählt und 6. März zu Aachen gekrönt. So war denn durch die Erwerbung der deutschen Königskrone den H. die ruhmvolle Bahn eröffnet, auf welcher sie ein Jahrhundert hindurch so glänzend fortschritten. Aber es entbrannte auch der Haß der Welfen (s. d.) gegen die H. (s. Ghibellinen), dessen erster Keim schon in jener Verbindung des welfischen Herzogs Heinrich des Stolzen von Sach— sen und Bayern mit dem Kaiser Lothar lag, durch die Erhebung des hohenstaufischen Hauses auf den Thron um so heftiger. Der Kampf begann, als der ghibellinische Konrad zufolge der Reichssatzungen von dem Herzog Heinrich auf dem Reichstage zu Regensburg und Such von den beiden Herzogtümern Bayern und Sachsen, die dieser besaß, das letztere abzutreten, und als dieser sich dessen weigerte, ihn in die Acht erklärte und seine gesamten Lehne einzog. Als Heinrich 1139 starb, setzte sein Bruder, Welf VI., den Kampf fort; doch mußte er sehen, wie nach den für seine amp Bei Ntoeeherg Schlachten bei Weinsberg 1140 und bei 8 ochberg 1150 die Hausmacht der H., besonders auf Kosten der den Welfen verbündeten Zähringer, bedeutend vergrößert und neu befestigt aus diesem Kampfe hervorging. Konrads 10jähriger Sohn , Katb wurde 1147 zu seinem Nachfolger erwählt, star aber schon 1150. Nach Konrads Tode 1152 verhinderte das entschlossene Auftreten seines Neffen eine neue Abweichung vom Erbrecht, und die Wahl fiel auf diesen, den Sohn Friedrichs II. oder des Einäugigen, Friedrich III., der als Kaiser Friedrich I. Barbarossa hieß. Für die Befestigung seines Hauses war es von Wichtigkeit, daß es ihm gelang, mit der Besiegung Heinrichs des Löwen, den er seines Herzogtums beraubte und auf Braunschweig und Lüneburg beschränkte, die Macht der Welfen in Deutschland völlig zu brechen. Unter seinem Sohne und Nachfolger Heinrich VI. erreichten die H. den Höhepunkt ihrer Macht, da sie auch noch das Königreich Sicilien erwarben, und wenn es ihm auch nicht gelang, die Erblichkeit der Krone durch ein Reichsgesetz zu sichern, so wurde doch 1196 sein zweijähriger Sohn Friedrich zum Nachfolger gewählt. Allein Heinrichs früher Tod 1197 entfesselte alle Feinde seines Hauses, welche unter der Leitung des Papstes sich zur Unterdrückung desselben vereinigten. Von Heinrichs Brüdern war Friedrich V. von Schwaben 1191, Konrad, Herzog von Rotenburg oder Franken, 1196 gestorben und Otto, Pfalzgraf von Burgund, anderweitig „ tigt. Da erkannte Heinrichs letzter Bruder, Philipp von Schwaben, daß es unmöglich sein würde, seinem jüngern Neffen Friedrich die Krone zu erhalten, und nahm 1198 selbst die von der Mehrzahl der Fürsten ihm angetragene Königswürde an. Nach langem, wechselvollem Kampfe gegen den vom Papste aufgestellten Gegenkönig Otto IV. von Braunschweig ereilte ihn der Tod durch Mörderhand 1208. Philipps Tod verschaffte nun zwar Otto IV. auf einige Jahre die alleinige Regierung; allein als er seine Rechte in Italien Ri. des machen wollte, nahm sich Papst Innocenz III. des jungen, als König von Sicilien anerkannten Friedrich an, that Otto in den Bann und reizte eine große Partei in Deutschland selbst gegen ihn auf, sodaß Friedrich auch dort zum König 35.„ie ward. Friedrich zog 12¹² 9006 Deutschland, ließ sich zu Mainz als Friedrich II. krönen und wurde nach Ottos IV. Tod 1218 alleiniger Herrscher in Deutschland. Alle Umstände schienen sich im Anfange seiner Regierung zur weitern Vergrößerung seines Hauses zu vereinigen. Die Besitzungen des Zähringer Stammes fielen nach dessen Aussterben 1218 ihm zu. Er brachte auch die Stammgüter wieder an sich und erlangte mit leichter Mühe 1220 die Erwählung seines Sohnes Heinrich (VII.) zu seinem Nachfolger im Deutschen Reiche und für si selbst in Rom die Kaiserkrone. Aber der Papst Gregor IX. fand in der Verzögerung des gelobten Kreuzzugs den Anlaß und Vorwand, die wachsende Macht des Kaisers mit allen Mitteln zu bekämpfen, und Innocenz IV. setzte noch rücksichtsloser und erfolgreicher den Kampf fort, durch Aufreizung der besonders in den Städten Oberitaliens mächtigen welfischen Partei, durch Aufstellung mehrerer Geenkönige in Deutschland, durch Aufruhr, Verschwörungen selbst gegen das Leben des Kaisers und mehrmaligen Bann. Zwar hielt Friedrich II. durch den Schrecken seines Namens und die Größe seines Geistes das Ansehen des ber mit semem —65 noch erträglich aufrecht; aber mit seinem ode neigte die Macht desselben sich rasch dem Untergange zu. Noch bei . Ronra hatte Friedrich 1237 seinen zweiten Sohn, Konrad, in Wien zum röm. König wählen lassen, nachdem der Erstgeborene, Heinrich, durch Empörung gegen seinen Vater sih dieser Würde verlustig gemacht hatte. Konrad IV. wurde auch nach seines Vaters Tode 1250 von den meisten deutschen Ständen als König anerkannt; allein die Gegenkönige und die Feinde, die ihm der Papst durch seinen Bann erweckte, lähmten Konrads Kraft in Deutschland so, daß er nach Italien ging, um sich im Besitze seines ihm wichtiger dünkenden Erbreichs, Apulien und Sicilien, zu befestigen. Doch bald fand er hier, wo ihn sein tapferer Halbbruder Manfred kräftig unterstützte, 1254 seinen Tod. Sein einziger Sohn Konrad, gewöhnlich Konradin genannt, war nun der allein übrige rechtmäßige Zweig der H. Während er unter der Vormundschaft seines Oheims, des Herzogs Ludwig von Bayern, in Deutschland heranwuchs, war Manfred bemüht, ihm sein Erbe in Italien zu retten. Als er später, 1258, durch die Umstände genötigt, den Thron Siciliens selbst bestiegen hatte, rief der Papst, beharrlich in seinem Vorsatz, das Haus der 5. zu stürzen, Karl von Anjou herbei, gegen den bei Benevent 26. Febr. 1266, von seinen Großen und einem Teile seines Heers verraten, der edle Manfred Schlacht und Leben verlor. Doch Karls grausame Regierung erweckte sehr bald wider 5. eine starke Partei, die Konradin auf den väterlichen Thron berief, der aber in der Schlacht bei Tagliacozzo 1268 seinem Gegner Karl von Anjou unterlag, gefangen genommen und 29. Okt. 1268 durch Henkershand in Neapel hingerichtet wurde. Von den übrigen Nachkommen der H. starb Friedrichs II. Sohn Enzio, König von Sardinien, 1272 zu Bologna in Gefangenschaft, Manfreds Söhne starben nach vielen . gleichfalls im Kerker. Kaiser Friedrichs II. ochter, Margarete, wurde die Gemahlin Albrechts des Unartigen, mit dem sie in unglücklicher Ehe lebte, und Manfreds Tochter, Konstanze, 2 Gcchien sich mit Peter III. von Aragonien, der 1282 Sicilien eroberte und Konradins Tod rächte. Der Rest hohenstaufenscher Besitzungen war schon durch Konradin verpfändet worden; die herzogl. Würde in Schwaben und Franken erlosch, und nur der Titel eines Herzogs von Franken 90 auf den Bischof von Würzburg über. Vgl. Raumer, Geschichte der H. und ihrer Zeite (6 Bde., Lpz. 1823—25;