FeedHonigfälschung
Recht & StaatBrockhaus 1882

Honigfälschung kommt nicht selten vor; so wird der mit Recht gerühmte Alpenkräuterhonig künstlich hergestellt. Fälschungen mit Mehl, mit Stärke⸗ und Malzsirup sind nicht selten. Auch füttert man Stärkesirup, und wenn er von den Bienen in den Zellen bedeckt ist, verkauft man die Waben als Scheibenhonig. Guter H. muß dick, aber klar und rein sein. Die meisten Fälschungen lassen sich durch ein einfaches, leicht auszuführendes Verfahren ermitteln. Der ungereinigte H. ist stets ein Gemenge von mehrern Zuckerarten (Traubenzucker und Schleimzucker oder Chylariose) und Säuren, wie es scheint etwas Ameisensäure. Aus neuern Untersuchungen folgt, daß die Bienen die Beschaffenheit des Zuckers, den sie zu Honig verarbeiten, nicht zu verändern vermögen, es sei denn, daß der von den Bienen gesammelte Zucker eine Spaltung in Rechtstraubenzucker und Linksschleimzucker erlitte. Guter H. kann Jahr und Tag aufbewahrt werden. Den ausgeschleuderten und ausgelassenen H. bewahrt man in gut glasierten Töpfen oder Glashäfen auf, schützt ihn vor dem Zutritt der Luft und der Feuchtigkeit durch einen 1 em dicken Wachsüberguß und bindet die Gefäße mit Pergamentpapier oder besser noch mit einer Schweinsblase zu. Der Aufbewahrungsort muß kühl und luftig sein; die Temperatur des Raums darf im Sommer nicht über 15 R. steigen. Alter H., der stark krystallisiert ist, wird durch Einstellen ins warme Wasserbad wieder flüssig und dadurch schmackhafter. Hat der H. sein Aroma gänzlich verloren, so kann man ihm einige Tropfen ätherische Ole beimischen; man sei dabei aber vorsichtig. Wenngleich ziemlich überall H. gewonnen wird, so bildet derselbe doch nur in Norddeutschland, in der Schweiz, Rußland, Polen, auf Malta, in Spanien und Frankreich, sowie neuerdings in Amerika einen bedeutenden Handelsartikel. Der H. wird verspeist, besonders auf Brot, und ist ein gesundes, insonderheit Kindern dienliches Nahrungsmittel. Seine größte Verwendung findet der H. in der fenhuchen m von Labkuchen (Lebkuchen) oder Pfeferkuchen und in der Bereitung des Met. Letzterer wird in großen Mengen und vorzüglicher Güte besonders in Dänemark und Skandinavien bereitet. Auch bereitet man aus H. einen sehr trinkbaren Wein, Essig u. dgl. m. Neuerdings wird H. auch mit Erfolg zum Einmachen von Früchten statt Zucker verwendet. Auch bei einer besondern Art von Malerei, Honigmalerei, kommt H. als Ersatz für Gummi arabicum oder Lack in Anwendung. In vielen Fällen muß der H. gereinigt werden, um ihn für gewisse Zwecke (z. B. zur mediz. Anwendung) tauglich zu machen. Man hat sehr verschiedene Reinigungsmethoden; die beste besteht im Sieden des zuvor in reinem Wasser aufgelösten H. in einem Kessel über nicht zu starkem Feuer, Abschäumen der an der Oberfläche der kochenden Flüssigkeit sich ansammelnden Unreinigkeiten, Entfernen der Säuren durch Zusatz von geschlemmter Kreide, anderer den Geschmack verschlechternder Substanzen durch Zusatz von Kohlenpulver, Filtrieren der gewonnenen Flüssigkeit und Abklären derselben mittels Eiweiß, und endlich Eindicken des gereinigten H. bis zur Sirupskonsistenz durch Ab⸗ [dampfen. Dergleichen gereinigter H. (Mel depuratum oder despumatum der Apotheken), welcher klar, durchsichtig und weingelb sein muß, hält sich unter gutem Verschluß jahrelang. In der Medizin verwendet man denselben bei Brustübeln und zu Salben. Mit Essig gekocht liefert der H. den Sauerhonig oder Oxymel der Apotheken.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 382Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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