FeedImbibitionsflüssigkeit
NaturlehreBrockhaus 1882

Imbibitionsflüssigkeit zwischen den Micellen eine andere Gestalt, etwa die eines Ellipsoids annehmen. Da die pflanzlichen organisierten Gebilde nicht homogen sind, sondern meist aus Schichten verschieden gestalteter und mit verschieden großen Wasserhüllen versehenen Micellen bestehen, 10 müssen, da hierdurch bei Quellung die Verteilung der Imbibitionsflüssigkeit keine gleichmäßige sein kann, innere Spannungen entstehen, welche beim überwinden der Kohäsion einzelner Schichten zu Rissen führen können. Sind z. B. in einem kugeligen Körper die abwechselnd wasserreichern und wasserärmern Schichten konzentrisch gelagert, so werden bei Quel— lung sowohl wie beim Austrocknen, sobald die Kohäsion überwunden wird, radiale Risse auftreten. Solches findet an Stärkekörnern immer statt. Diese Spannungen können eine ganz bedeutende Höhe erreichen, da die Anziehungskraft zwischen den Micellen und der eindringenden Flüssigkeit in vielen einzelnen Fällen eine sehr große ist. So fin. det z. B. in dem Thallus von Laminaria noch Quellung statt, wenn derselbe einem Druck von 40 Atmosphären ausgesetzt ist. Jedenfalls gehör aber ein noch viel höherer Druck dazu, um die Wasseraufnahme und die dadurch bedingte Vergrößerung überhaupt zu verhindern. Das Verhalten verschiedenartiger 47* sigkeiten zu den organischen Gebilden ist natürlich auch verschieden. Während dieselben in Alkohol, Ather u. s.w. gar nicht quellen, tritt bei Wasser oder schwachen Säuren und verdünnten alkalischen Lösungen eine Quellung ein, und zwar ist dieselbe bei den letztern stärker als bei reinem Wasser. Aber in beiden Fällen geht nach Anwendung wasserentziehender Mittel, wie Alkohol, Glycerin u. dgl., der gequollene Körper wieder auf sein früheres Volumen zurück. Dies findet jedoch nicht statt, wenn starke Säuren oder Alkalien die Quellung hervorrufen. In diesem Falle wird die Micellarstruktur jedenfalls derart geändert, daß die frühere Anordnung der Micelle nicht wieder erreicht werden kann. Da wie schon erwähnt das Wasser mit großer Kraft von Zellmembranen aufgenommen wird, so kann bei eintretenden Differenzen im Wassergehalt derselben eine lebhafte Wasserbewegung hervorgerufen werden. Es wird deshalb von vielen Botanikern angenommen, daß die J. bei der Leitung des Wassers in der Pflanze eine wichtige Rolle spiele. Die Möglichkeit, durch J. das Wasser in den Zellwandungen auf eine bedeutende Höhe zu schaffen, ist für die Pflanze allerdings vorhanden, doch ist es fraglich, ob auf diese Weise in verhältnismäßig kurzer Zeit so große Quantitäten von Wasser, wie sie z. B. ein reich belaubter Baum bei lebhafter Transspiration verbraucht, fortbewegt werden können; es ist vielmehr wahrscheinlicher, daß bei der Leitung des Wassers in der Pflanze osmotische Vorgänge die Hauptrolle spielen. Durch Aufnahme von Wasser oder von Wasserdämpfen — denn auch hierdurch kann bei Kondensation der Gase in der Membran eine Quellung hervorgerufen werden — werden mäncherlei Bewegungen erzeugt, die sich beim Aufspringen von Früchten, Antheren, Sporenschläuchen u. s. w. sinden. So treten z. B. an den Teilfrüchtchen der Erodium-Arten starke Torsionen bei Quellung, beziehentlich Austrocknen auf und bewirken ein Einbohren derselben in den Boden. AÄhnliche Erscheinungen finden sich an den Grannen mancher Haferarten, sowie an den langen Fortsätzen der Federgräser (Stipa pennata). Die Bewegungen, welche diese Gebilde bei Aufnahme von Wasser oder Wasserdampf ausführen, sind zum Teil so ansehnliche, daß man sie als Hygroskope benutzen kann. In manchen Gegenden werden auch wirklich jene korkzieherartig gewundenen Früchtchen von Erodium, die bei feuchter Luft sich aufrollen, bei trockener wieder zusammenrollen, als Hygroskope insofern benutzt, als man aus ihren Bewegungen auf Eintritt von Regen oder schönem Wetter schließt. (S. Erodium.) 1

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 547Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Naturlehre 6