FeedIn deposito (lat.)
PflanzenreichBrockhaus 1882

In deposito (lat.), in (gerichtlicher) Verwahrung. Inder. Die einzelnen Bestandteile der Bevölkerung von Indien, in ihrer Rassenabstammung sehr verschieden, zeigen auch in Bezug auf Körperbildung, Charakter, geistige Anlagen, Lebensweise und Beschäftigungen eine große Verschiedenheit. Man kann füglich drei verschiedene Völkerschichten unterscheiden, nämlich 1) die arischen Hindu, 2) die sog. Dravidastämme und 3) die Kolh- oder Vindhyastämme. Die arischen Hindu zeichnen sich durch einen schön und regelmäßig gebauten, die mittlere Höhe von 1,85 meaber nur selten überschreitenden, auffallend beweglichen und elastischen Körper, kleine und schön geformte Hände und Füße aus. Ihre Kopf- und Gesichtsbildung ist die der kaukasischen (indoeurop.) Rasse Blumenbachs, nähert sich aber mehr jener der dunkeln romanischen als der der lichten german. Völker Europas. Ihre Augen und Haupthaare sind schwarz, die letztern lang und glatt; die Männer haben einen starken Bartwuchs. Die Hautfarbe zeigt alle Nuancen und Farbenübergänge zwischen dem gelblichen Weiß des Südeuropäers, dem Olivenbraun und der Rußfarbe bis zu völligem Schwarz (letzteres bei gemischten Stämmen). Die Frauen und auch die Männer aus den höhern unvermischten Kasten zeichnen sich in der Regel durch hellere Hautfarbe aus. Die dravidischen Völker im Dekhan haben die kaukasische Schädel- und Gesichtsbildung, aber ihre Hautfarbe ist im ganzen dunkler als die der nördlichern Hindu, von denen sie sich auch durch ihre Sprache unterscheiden. In der Hautfarbe verschiedener Vollsstämme im Süden der Halbinsel, namentlich an der Koromandelküste, sticht mehr das Gelb hervor. Durch eine von dem kaukasischen Typus wesentlich abweichende Kopf-und Gesichtsform, eine gröbere und kräftigere Körperbildung unterscheiden sich von den arischen Hindu die sog. Kolh- oder Vindhyastämme, wie die Bhils, Khonds, Kolas, Kandas und andere mehr oder weniger barbarische Volksstämme in dem nördl. Teile der Präsidentschaft Bombay, namentlich auf der Halbinsel Guzerate, in den Thälern des Vindhyagebirges, in der Landschaft Orissa und andern Gegenden, welche für mehr oder weniger mit den fremden Einwanderern vermischte oder ganz unvermischt gebliebene überreste der Urbevölkerung gehalten werden. Diese Völkerschaften sind im allemeinen auch dunkler gefärbt als die arischen [! Hindu, wiewohl unter ihnen auch Stämme mit lichterer Haut vorkommen, wie namentlich bei den Bhils. Die reiche geistige Begabung der arischen Inder geht aus der sehr hohen Stelle hervor, welche sie als uraltes Kulturvolk einnehmen (s. Sanskrit und Indische Religion), sowie aus den Erzeugnissen ihrer Industrie und gewerblichen Thätigkeit, wie z. B. aus ihren durch Feinheit, Güte und Farbenpracht ausgezeichneten Geweben aus Baumwolle und Seide, ihren Shawls und Teppichen. Bemerkenswert ist die hohe Stelle, welche unter den geistigen Kräften der Hindu die Phantasie einnimmt. Hierdurch unterscheiden sie sich sehr wesentlich von den andern asiat. Völkern, namentlich von ihren Nachbarn, den Tibetern und Indochinesen und dem klassischen Kulturvolke Ostasiens, den Chinesen. Der Charakter der Hindu im allgemeinen hat mar, durch die tiefe Einwirkung verschiedener aus ältester Zeit bis in die Ge⸗⸗ genwart bestehender, für unantastbar und heilig gehaltener nationaler Institutionen, wie namentlich der Kasteneinteilung und des spezifisch indischen Polytheismus, des Brahmanismus, als auch infolge der lenhntenen Ostindiens durch fremde Nationen seit fast einem Jahrtausend ein eigentümliches, keineswegs sehr günstiges Gepräge erhaft Ganz besonders nachteilig hat die Herrchaft der mohammed. Eroberer auf den Charakter der Hindu eingewirkt, obgleich das spezifisch indische Kulturelement von dem arab.⸗islamitischen immer etrennt geblieben ist. Die Hindu im allgemeinen haben alle Fehler geknechteter Völker. Sie sind wenig kriegerisch, kriechend höflich, aber ebenso falsch und unzuverlässig, lügnerisch, hartherzig, rachsüchtig, grausam und blutdürstig, wissen aber die Leidenschaften, von denen sie innerlich bewegt werden, äußerlich zu verbergen. Kein anderes Volk übertrifft sie in Bezug auf religiösen Fanatismus, Aberglauben und Festhalten an den Überlieferungen und Vorschriften ihrer Religion. Bei Reichen und Vornehmen tritt auch eine üppige Sinnlichkeit stark hervor. Tugenden der Hindu sind Mäßigkeit, die Geschlechtsliebe ausgenommen, Reinlichkeit, Geduld, Vorliebe für friedliche Beschäftigungen, namentlich für den Ackerbau, Lernbegierde und Hochschätzung der Wissenschaft. Einen großen Gegensatz zu den arischen Hindu hinsichtlich ihres Kulturzustandes bilden die Bhils, Kölas, Khonds und andere als überreste der Urbevölkerung von Vorderindien bezeichnete Volksstämme. Viele von ihnen leben noch im Naturzustande, als Hirten, Jäger und Räuber, ohne Ackerbau und manche selbst ohne Viehzucht. Bei mehrern derelben, wie z. B. bei den Khonds, sind noch jetzt enschenopfer in Gebrauch; auch sollen dieselben swa noch jetzt hin und wieder kranke und alterschwache Personen ihrer Familie töten und verzehren. [deräb.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 561Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Pflanzenreich 6