Johann ohne Land, König von England, 1199 — 1216, geb. zu Oxford 24. *5 1166, war der jüngste Sohn und der Liebling Heinrichs II., nahm aber dessenungeachtet an den Empörungen gegen seinen Vater teil. Als sein älterer Bruder, König Richard I. Löwenherz, auf dem Kreuzzuge war, suchte J. die Regentschaft an sich zu reißen, und als jener in Deutschland gefangen saß, verband er sich mit Philipp II. von Frankreich, um dem Bruder die Krone zu rauben. Der Anschlag scheiterte nur an der Festigkeit der Bischöfe und des Regentschaftsrats; doch wurde J. nach Richards Befreiung begnadigt. Bei Ri ards Tod 1199 sollte eigentlich die Krone dem zwölfjährigen Herzog Arthur von Bretagne zufallen, Sohn Gottfrieds, eines verstorbenen ältern Bruders. Allein J. wußte die Großen zu gewinnen und wurde 27. Mai 1199 als König gekrönt. In seinen fram. Staaten lernte er hierauf die schöne Isabella, die Tochter des Grafen von Angoulême, kennen und vermählte sich mit ihr, während er seine erste Gemahlin Hadwise von Gloucester verstieß. Der Umstand indes, daß Isabella schon dem Grafen Hugo de la Marche verlobt war, verwickelte ihn in Krieg mit seinen franz. Vasallen. Auch begann 1202 der König Philipp das Interesse seines Eidams, des jungen Arthur, zu vertreten und fiel mit einem starken Heere in die Normandie ein. Arthur geriet hierbei in die Gefangenschaft I.s und wurde zu Rouen ermordet (April 1203). Aber die franz. Vasallen fielen nun von J. ab und die englischen begaben sich in ihre Heimat. Binnen zwei Jahren hatte er alle Besitzungen bis auf einen Teil von Poitou und Guienne verloren. Um diese Zeit brachen auch die Streitigkeiten des Königs mit dem Papst Innocenz III. aus. Dieser hatte den Kardinal Stephan Langton eigenmächtig zum Erzbischof von Canterbury ernannt und belegte England, da der König die Bestätigung verweigerte, 1208 mit dem Interdikt, bald darauf den König selbst mit dem Bann. . schwur Rache, jagte die Geistlichkeit aus dem Lande, zog deren Güter ein, sperrte die Ordensbrüder in die Klöster und ließ sich den Treueid von seinen Großen erneuern, die sich um so weniger weigerten, als sie selbst von der Priesterherrschaft hart gedrückt wurden. Allmählich aber regte sich, durch J.s Gewaltthaten hervorgerufen, die Lust zum Abfall. Der Papst wagte deshalb 1212 den König, der obendrein im Bunde mit dem ebenfalls gebannten Kaiser Otto IV., seinem Neffen, war, des engl. Throns für verlustig zu erklären, trug Philipp von Frankreich die Vollstreckung des Urteils auf und predigte gegen J. förmlich den Kreuzzug. Während sich Philipp rüstete, trat jedoch der Papst aus Besorgnis vor der franz. übermacht 1213 durch seinen Legaten mit J. zu Dover in Unterhandlung. J. unterwarf sich hier (13. Mai) den schimpflichsten Bedingungen. Er willigte nicht nur in die Einsetzung Langtons, die Restitution aller geistlichen Güter und in eine bedeutende Entschädigungssumme, sondern nahm auch die Kronen von England und hurins vom Papst zu Lehn und versprach einen Lehnzins von 1000 Mark Silber. Dafür untersagte nun der Papst dem franz. König den früher befohlenen Angriff auf England und nahm bei J.s Streitigkeiten mit seinen Baronen die Partei des erstern. Die Barone aber verbanden sich im Jan. 1215 mit der unbefriedigten Geistlichkeit, um das von der Krone allmählich unterdrückte öffentliche Recht als allgemeine Schutzmauer gegen Despotie wieder aufzurichten. Der Erzbischof-Primas Langton war die Seele des Bundes. Am N. April erschienen die Verbündeten vor Orford und stellten dem König Forderungen, welche auf den Freiheitsbrief Heinrichs I. und die sog. Gesetze Eduards des Bekenners begründet waren. Als J. dieses Ansinnen verwarf, griffen die Barone zu den Waffen, nahmen London und zwangen den König (19. Juni 1215) auf einer großen Wiese zwischen Staines und Windsor die Freiheiten zu bewilligen, die unter dem Namen der Magna Charta (s. d.) als das Fundament der engl. Staatsverfassung be⸗ —— werden. Alsbald bewog er aber gegen sein Versprechen den Papst als den Oberlehnsherrn, diese Freiheiten durch eine Bulle zu verdammen und die Widerspenstigen mit dem Kirchenbann zu belegen. Der Bürgerkrieg brach nun wieder aus, und J. verübte mit seinen brabantischen Mietstruppen so furchtbare Grausamkeiten, daß die aufs RAußerste getriebenen Barone dem Kronprinzen Ludwig, dem Sohn Philipps II. von Frankreich, die engl. Krone anboten. Ludwig erschien im Mai 1216 mit einem starken Heere, wurde zu London ekrönt und unterwarf sich bei dem geringen Widertande, den ihm J. leistete, fast das ganze südl. und östl. England. In dieser Lage starb J. unter neuen Zurüstungen zur Bewahrung seiner Krone 19. Okt. 1216. Ihm folgte sein neunjähriger Sohn Heinrich III. unter dem Proteltorat des Grafen Wilhelm von Pembroke.