FeedJeux floraux
AllerleiBrockhaus 1882

Jeux floraux (frz., d. i. Blumenspiele) hießen die poetischen Wettkämpfe, welche zu Toulouse unter dem Vorsitze der Académie des qJeux floraux stattfanden. Ihre Entstehung reicht ins 14. Jahrh. zurück. Eine Anzahl Bürger von Toulouse suchte der gesunkenen Poesie der Troubadours (s. d.) durch Stiftung einer poetischen Gesellschaft aufzuhelfen. Sieben derselben entboten unter dem Namen der Sept trobadors de Tolosa 1323 in einem poetischen Einladungsbrief alle Freunde der «fröhlichen Kunst oder Wissenschafto (gay saber) auf den 1. Mai 1324 zu einem poetischen Wettstreite nach Tonulouse, bei welchem dem Sieger ein Preis und der Titel eines «Doktors der fröhlichen Wissenschafto verheißen wurde. Arnaud Vidal de Castelnaudary gewann damals den Preis, ein goldenes Veilchen. Schon im folgenden Jahre konstituierte sich die Gesellschaft als Consistori de la gaya sciensa mit einem Kanzler und sieben Mantenedors. Im J.135⁵ wurden die Preise um eine wilde Rose fur das beste Sirventes oder Pastourelle und um eine Rin elblume für das beste Tanzlied vermehrt; zur Aufmunterung der jüngern Kunstgenossen diente eine Nelke, alle drei von Silber, dem Erwerber des ersten Preises wurde außerdem der Titel Baccalaureus und dem aller drei Preise der Titel Doktor oder Meister (maestre) erteilt. Vgl. Gatien-Arnould, «Monuments de la littérature romane, publiès sous les auspices de Lacadémie des jeux florauxo (3 Bde., Toulouse 184151); Las Joyas del gay sabero (herausg. von Noulet, Toulouse 1849). Auch in Catalonien und Aragonien bildeten sich gegen Ende des 14. Jahrh. Filialgesellschaften; die zu Barcelona verteilt noch heute jährlich Blumenpreise. Trotz des Verlustes ihres Palastes und Gartens in der bei einer Belagerung geschleiften Augustinervorstadt von Toulouse hielt die Muttergesellschaft ihre, wenn auch später beschränkten Sitzungen im Stadthause bis 1484 fort. Als in diesem Jahre die ganze Einrichtung in Gefahr war zu Grunde zu gehen, belebte eine Bürgerin von Toulouse, Clémence Isaure, sie durch Anschaffung neuer kostbarer Preisblumen und durch eine reiche testamentarische Stiftung, und die Gesellschaft nahm nun den Namen Jeux floraux an. Wie früher karge Mittel, so störte später der Überfluß die Verfolgung des Zwecks der Gesellschaft. Das Stiftungsvermögen wurde in Festen verpraßt, in Geschenken an die Mitglieder vergeudet, sodaß endlich der Akademiker Laloubere von Toulouse den König Ludwig XIV. um Umgestaltung der Gesellschaft in eine Akademie bat. Als solche führte sie seit 1695 den Namen Académie des jeux floraux; der König ernannte ihr einen Kanzler, 35 Mainteneurs oder Richter und 20 Maitres. Das Einkommen derselben wurde auf 1400 Livres bestimmt, wovon 1000 zur Anschaffung von Preisblumen und 400 zur Bestreitung der Festkosten und anderer Ausgaben verwendet werden sollten. Den ersten Preis, ein goldenes Tausendschön (Amaranthe), gewann die beste Ode; die andern drei waren wie früher ein Veilchen, eine wilde Rose und eine Ringelblume von Silber. Die silberne Rose wurde 1745 in eine goldene umgewandelt; zugleich wurde bestimmt, daß, wer sie dreimal errungen, zum Maitre es jeux floraux ernannt werden solle. Jeder, ohne Unterschied des Landes und Geschlechts, durfte sich um die Preise bewerben. Im J. 1773 wurde das Kanzleramt abgeschafft, das Siegel der Gesellschaft einem beständigen Sekretär, das Präsidium einem alle drei Monate unter den Mitgliedern durch das Los gewählten Modérateur anvertraut. Diese Einrichtungen haben sich fast unverändert bis heute erhalten und nur durch die Revolutionsstürme von 1790—1806 eine Störung erlitten. Das seit 1696 erscheinende Recueil annuel de l'académiep erlitt um 1700—3 und 1790—1806 Unterbrechungen. Vgl. Poitevin Peitavi, Mémoire pour servir à. Ihistoire des jeux florauxo (Toulouse 1815). Eine jüngere Entwickelungsphase der Jeux floraux sind die jährlichen poetischen Feste südfranz. Städte, bei denen besonders in südfranz. Mundarten dichtende Sänger (Felibres =qui fait des livres) mit litterarischen Erzeugnissen um Blumen und andere Preise in Wettbewerb treten. Vgl. Böhmer, Die provengal. Poesie der Gegenwarto (Heilbr. 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 849Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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