FeedJordan (Rud.)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Jordan (Rud.), ausgezeichneter Genremaler, geb. 4. Mai 1810 zu Berlin, begann seine Studien unter Wach, wandte sich 1830 nach Rügen, wo er Studien nach der Natur machte. Schon mit dem ersten Bilde, das Innere einer Lotsenhütte (1831), im Besitz des Kaisers Wilhelm, bekundete er sein besonderes Talent für die Darstellung des Lebens an der See in Natur und Menschen. Seine eigentlichen Kunststudien begann J. 1833 zu Düsseldorf unter der Leitung von Schadow und Sohn. Im J. 1834 trat er mit seinem Heiratsantrag auf Hel— goland hervor, welches Bild rasch allgemeine Popularität erlangte (Berlin, National-Galerie). Ein Meisterstück war auch sein Lotsen-Eramen (1842). Eine längere Studienreise in die Normandie gewährte ihm die Motive zu einer Reihe größerer Bilder ernsten Inhalts, wie z. B.: alle Boote kehrten zurück, nur eins fehlte (im Besitz des Lord Ellesmere zu London), die Schiffbrüchigen, das Begräbnis des Seemanns (1874). Besonderes Interesse wandte J. dem Leben des holländ. Volks, vor allem den durch originelles Kostüm und scharfausgeprägten Charakter ausgezeichneten Bewohnern der einsamen Inseln der Zuidersee (namentlich des Eilandes Marken) zu. Hierher gehören von seinen Bildern: die Witwe und ihr Trost, die Hochzeit auf dem Eiland Marken, in der Kirche, Begräbnis des jüngsten Kindes u. s. w. Eins dieser Bilder bezeichnet er selbst als Een oude mannen huis (1865). Später entstanden die Genrebilder: nach durchwachter Nacht, die junge Witwe, die erste Lüge, das glückliche Alter u. s. w. Eine größere Anzahl von Aquarellen, Radierungen und Illustrationen haben ebenfalls dazu beigetragen, J. den besten deutschen Genremalern anzureihen. Zu seinen Schülern gehören Benjamin Vautier, Geertz, Georg Diefenbach und Albert Kindler. Eine Frucht einer ital. Reise waren: die röm. Osteria, der Milchladen, die Bettlerin u. a.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 885Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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