FeedAbfälle
TechnikBrockhaus 1882

Abfälle oder Abgänge nennt man in der chem. und mechan. Technik denjenigen Teil der 1. und Hilfsstoffe, welcher bei der Darstellung des Fabrikats ausgeschieden oder abgesondert wird und entweder ganz nutzlos oder nur zu irgend einer, oft gänzlich remdartigen Nebennutzung brauchbar, also jedenhals von untergeordnetem Werte und im allgemeinen als Verlust, in vielen Fällen sogar als Last zu betrachten ist. Die Menge der A. erreicht oft einen sehr e Betrag, und es ist eine wichtige Aufgabe der Technik, einerseits thunlich nützlichste Verwendungen derselben zu finden, andererseits sie sos ehr als möglich zu vermindern, wozu eine zweckmäßig gemabe Einrichtung der Fabrikationsprozesse sehr vie Sener kann, sofern der Abfall nicht aus natürlichen Verunreinigungen, sondern aus Teilen des reinen Materials selbst besteht, wie 3. B. die Hobel-, Dreh⸗ und Sägespäne von Holz, Feilspäne und Abschnitzel von Metall, deee von Flachs und Hanf, Garnfadentrümmer in der Spinnerei u. s. w. Um von der großen Bedeutung des Abfalls bei manchen Fabrikationen eine Vorstellung zu geben, mag angeführt werden, daß man aus 100 kg Rohshm durch die Arbeiten des Frischens und Ausschmiedens oder Walzens nur 70 80 kg Stabeisen ewinnt; aus 100 kg Stabeisen 45 — 60 kg veräufliches Eisenblech; aus 100 kg Stahldraht etwa 60 Kg verkäufliche Nähnadeln; aus 100 kg gewalzter Gold⸗, Silber⸗ oder Kupferbleche 66 — 70 kg Platten zum Münzenprägen; aus 1 cbm Holz oft nur 0,5 ebm 3n 70— aus 100 kg roher Baumwolle gewöhnlich 70 — 80 kg Garn; aus 100 kg roher, trockener Leinstengel 915 kg reinen, spinnbaren Flachs; aus 100 kg 77 Schafwolle (wie sie auf dem Körper des Tiers sitzt) 20—40 kg völlig reingewaschene Wolle; aus 100 kg leinener Lumpen 55—80 kg Papier. Im strengern, freilich nicht immer festgehaltenen Sprachgebrauch ist zwischen Abgang und Abfall die Unterscheidung 3 beobachten, daß ersteres Wort jede infolge der Bearbeitung eintretende Verminderung des Arbeitsstoffs bezeichnet, letzteres aber die wirklich gesammelte abgegangene Substanz ausdrückt; so erleidet die Leinwand durch Bleichen einen sehr bedeutenden Abgang, ohne ndust ein Abfallstoff dabei ergibt. Je weiter die Industrie sich entwickelt hat, um so mehr ist man darauf bedacht gewesen, die Menge der Abfallstoffe auf das möglichst geringe Maß Ve beschränken oder ihnen neue, nutzenbringende Verwendung zu geben. Früher als wertlos betrachtete wollene Lumpen dienen zur Darstellung des Shoddy, aus welchem neue Stoffe, Teppiche u. dgl. gefertigt werden; selbst aus den Lumpen gemis ter Gewebe hat man gelernt, unter chem. Zerstörung der beigemischten Baumwollfaser, verwertbare Wolle abzuscheiden. Aus den Seife enthaltenden Wassern der großen Wäschereien gewinnt man Fett. Die verbrauchten Bäder der Färbereien werden ausn zur Darstellung der darin wächeveien Weinteinsäure. Das Wasser der Wollwäschereien liefert nach dem Verdampfen und Kalcinieren des Rückstandes reichliche Mengen von wertvollem Kalisalz, namentlich Pottasche von höchstem Reinheitsgrade. In der Sodafabrikation wurde die Gesamtmenge des Schwefels, welcher zur Darstellung des Hauptproduktes in großer Menge gebraucht wird, bis vor kurzem völlig verloren gegeben, während man ihn jetzt wieder zu gewinnen versteht. Bei vielen metallurgischen Prozessen wird massenhaft schweflige Säure entwickelt, die beim Entweichen in die Luft durch ihren schädlichen Einfluß auf die Vegetation die Umgegend der Hütten in Wüsteneien verwandelt, während sie jetzt in Schwefelsäure übergeführt wird und damit ein wertvolles Produkt liefert. In den deutschen Zuckerfabriken werden jährlich 100 Mill. Kilogramm Melasse als Abfall erzeugt, deren Zuckergehalt einen Wert von 30 Mill. Mark repräsentiert; während die Melass Preie ausschließlich an Spiritusfabriken zum Preise von etwa 8 Mill. Mark Absatz fand, gewinnt man gegenwärtig durch Anwendung geeigneter chem. Methoden den größten Teil des bisher so gering verwerteten uckers neben andern der Landwirtschaft nützlichen toffen. Vgl. Simmonds,Waste productsv (Lond. 1873); Fischer, »Die Verwertung der städtischen und Industrie-Abfallstoffes (Lpz. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 48Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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