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PflanzenreichBrockhaus 1882

Ablaktieren, Absäugen, Ansäugen, richtiger Pfropfen durch Annäherung (grefle en approche), wird diejenige Art der Veredlung von Obst⸗ und andern Gehölzen genannt, bei der ein junger Wildstamm mit einem nahezu gleichstarken einer in seiner unmittelbaren Nähe befindlichen edlern Form derselben Spezies verbunden wird. Zu diesem Behufe nimmt man dem einen und dem andern an den korrespondierenden Punkten ein leichgroßes Stück Rinde mit einigem Holze weg und egt die Wundstellen dergestalt aufeinander, daß wenigstens auf einer Seite, Rinde der Rinde sich anschließt. Die Wundstelle wird durch einen guten Verband und einen Überzug von Baumwachs geschlossen. Wenn beide Teile nach einiger Zeit miteinander verwachsen sind, so wird der edle Teil von seinem Stamme unterhalb, der wilde oberhalb der Verwachsungsstelle abgeschnitten, und der Wildling ist somit veredelt. Die geeignetste Zeit für diese Art der Veredlung ist die der regern Saftbewegung. Das A. soll schon von den alten Römern geübt und von M. Terentius Varro erfunden worden sein, ist aber jetzt nur gebräuchlich, wenn man an Spalier⸗ oder Pyramidenbäumen Lücken ausfüllen will, in welchem Falle die nächsten entbehrlichen Zweige herangezogen werden, oder wenn es sich darum handelt, Wasserzweige mit Tragknospen zu versehen. Auf diese Weise führt man auch schwachwachsenden einarmigen Horizontalkordons durch danebenstehende starkwachsende Sorten eine reichere Saftmenge zu. In letztern Fällen findet eine Veredlung natürlich nicht statt. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 55Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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